Mit dem Sonderflieger zurück nach Deutschland

von Redaktion

Rückholaktionen sind angelaufen: Zehntausende Urlauber zurück in die Heimat gebracht

München – Vor Barbados ankern derzeit zahlreiche Kreuzfahrtschiffe. Normalerweise liegen sie hier nicht lange, bevor es zum nächsten Traumziel weitergeht. Doch dieses Mal ist hier Endstation, die Passagiere warten größtenteils auf ihren Rückflug. Zwei von ihnen sind Sibylle Frei und Albert Strauß aus aus Feldgeding (Landkreis Dachau). Am 13. März waren sie von München aus gestartet. Ganz wohl war ihnen dabei nicht, sie wollten die Reise eigentlich stornieren. „Das wurde uns von Tui aber verweigert“, sagt Sibylle Frei.

Mit diesem Reiseverlauf hätten die beiden jedoch trotzdem nicht gerechnet. Nach mehreren Routenänderungen ging es nach Barbados – wo die Reise schließlich endete. „Wir haben ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es solche Ausmaße annimmt“, sagt Frei gegenüber unserer Zeitung. Gestern ging es für sie und ihren Lebensgefährten Strauß mit dem Flieger nach Frankfurt. „Das ist der einzige Wermutstropfen, weil wir von dort selbst schauen müssen, wie wir nach Hause kommen“, sagt Frei. Trotz des abrupten Endes bleiben die beiden positiv: „Abgesehen von der etwas unorganisierten Abreise hatten wir hier tolle Tage. Auch wenn die Reise ganz anders geplant war.“

So wie Sibylle Frei und Albert Strauß geht es derzeit vielen Deutschen. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte am Dienstag angekündigt, 30 bis 40 Maschinen bei Lufthansa, Condor und Tui zu chartern, um Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es aufgrund der Corona-Pandemie keine Linienflüge mehr gibt. Die „Luftbrücke“ ist die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Republik, bis zu 50 Millionen Euro will die Bundesregierung dafür ausgeben. Gestern Nachmittag ist in München die erste Maschine aus Tunis gelandet.

Beim Reisekonzern Tui ist die Rückholaktion seit Dienstag in vollem Gang. Täglich sollen etwa 10 000 Passagiere zurück nach Deutschland gebracht werden. Dazu gehören Rückflüge, die die konzerneigene Linie TuiFly bereits im Plan hatte. Die Rückholaktion habe laut dem Unternehmen „klare Priorität“. Insbesondere gehe es um Deutsche in Ägypten und Spanien. Auch heute sind wieder zehn Zusatzflüge geplant.

Auch die Maschinen des Ferienfliegers Condor waren gestern voll besetzt. In einer Mischung aus der „Luftbrücke“ der Regierung, dem eigenen Flugprogramm und Rückholflügen der Veranstalter will Condor in den nächsten Tagen rund 50 000 Urlauber zurückholen. „Die Leute sind extrem erleichtert“, berichtete eine Sprecherin.

Auch Peter Reiter und seine Frau müssen ihre Reise abbrechen – doch sie haben bei ihrer Rückreise weit weniger Glück. Der langjährige Leser wandte sich in einer Mail an unsere Redaktion. Er sei seit Ende Februar mit seiner Frau auf einer Kreuzfahrt. Die Routen wurden immer wieder geändert, am Ende sollte es außerplanmäßig nach Neuseeland gehen.

Am Wochenende dann die Mitteilung: Binnen weniger Tage müssten sie ihre Rückreise selbst organisieren, spätestens heute sollen sie von Bord. Ein Aufenthalt in Hotels sei nicht erlaubt, nur ein direkter Transfer vom Schiff zum Flughafen möglich. „So sieht modernes Krisenmanagement einer großen amerikanischen Reederei aus.“ Reiter und seine Frau müssen nun schauen, wie sie wieder nach Deutschland kommen – für ihn ein „Armutszeugnis für das Management“.

LISA-MARIE BIRNBECK

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