„800 000 Masken für ganz Bayern sind nicht viel“

von Redaktion

Engpass an Schutzkleidung hält weiter an – Bayerisches Rotes Kreuz bittet Arbeitgeber um Unterstützung

München – Es war ein kurzer Moment der Erleichterung. Am Montag vermeldete Ministerpräsident Markus Söder, dass 800 000 neue Atemschutzmasken zur Verteilung in Bayern bereitstehen – 700 000 vom Bund, 100 000 von BMW. Gleichzeitig lässt die Staatsregierung die Schutzmasken inzwischen auch im Freistaat herstellen – zehntausende werden täglich produziert. Doch auch die Nachfrage ist riesig.

Diese Masken sind so wichtig, weil sie Ärzte, Helfer, Pflegekräfte und Patienten vor Ansteckung schützen. In der Corona-Krise sind sie schnell rar geworden. Der Preis stieg teils um das 24-Fache. Das heißt, wenn man überhaupt welche bekommt – beziehungsweise, sie nicht wieder verliert. Gerade sind der Bundeswehr sechs Millionen bestellte Masken auf dem Weg nach Deutschland abhanden- gekommen. Sie seien auf einem Flughafen in Kenia „spurlos verschwunden“.

In Bayern hat sich die Lage mit der jüngsten Lieferung zumindest ein bisschen beruhigt. „Es muss kein Arzt befürchten, dass er ohne Schutzmaske operieren muss“, sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Das war vor einer Woche noch anders.

Allerdings: „800 000 Masken für ganz Bayern sind auch nicht viel“, sagt Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Denn der Großteil wird vorrangig an Krankenhäuser, Ärzte, Pflegeheime und den öffentlichen Gesundheitsdienst verteilt. Nachrangig werden außerdem noch Zahnärzte, Hebammen oder Bestatter versorgt. Rund zehn Prozent sollen an Hilfsorganisationen wie das BRK gehen. „Allein für den Rettungsdienst bräuchte das BRK aber circa 72 000 Masken pro Woche“, sagt Taheri-Sohi. Jedenfalls, wenn – wie absehbar notwendig – jeder Einsatz mit Mundschutz gefahren werden muss. Die jüngste Lieferung sei also nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer. „Wir fahren weiter auf Sicht“, sagt Taheri-Sohi.

Das gilt nicht nur bei den Atemschutzmasken. Auch Schutzbrillen, Kittel, OP-Hauben und Handschuhe fehlen. „Dass wir Menschen nicht helfen können, weil wir unsere Mitarbeiter nicht schützen können, hat es beim Bayerischen Roten Kreuz noch nie gegeben“, sagt Taheri-Sohi. „Es wäre eine Zäsur.“

Um in der Corona-Krise möglichst gut gerüstet zu sein, hofft das BRK zudem auf die Unterstützung der Arbeitgeber. Denn ein wesentlicher Teil der 180 000 Ehrenamtlichen arbeitet hauptberuflich im Gesundheitswesen. Weil Ärzte oder Pflegekräfte dort gerade unverzichtbar sind, ist das BRK besonders stark auf Mitglieder in anderen Berufen angewiesen. „Wir bitten die Arbeitgeber, dieses ehrenamtliche Engagement zu unterstützen“, sagt Taheri-Sohi. Das gelte insbesondere auch für Helfer, die in einer Nebentätigkeit beim BRK arbeiten und dafür die Erlaubnis ihres Arbeitgebers brauchen. „Zuletzt haben wir öfter mitbekommen, dass Arbeitgeber das nicht erlaubt haben, weil sie sich sorgen, ihre Mitarbeiter könnten sich dabei infizieren und im Betrieb ausfallen.“ SEBASTIAN HORSCH

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