„Die Pandemie kennt keine Feiertage“

von Redaktion

Der Trend sei leicht positiv, von Entwarnung könne aber keine Rede sein. Bund und Länder haben sich gestern darauf geeinigt, die Kontaktbeschränkungen bis 19. April zu verlängern. Eine Maskenpflicht wie in Österreich ist vorerst vom Tisch – Markus Söder hält sich die Option aber offen.

VON MARCUS MÄCKLER

München – Deutschland näht, und zwar gar nicht mal schlecht. Die Ergebnisse werden hundertfach in den sozialen Medien ausgestellt: weiße, schwarze, bunte Masken. Masken mit Muster, Aufdruck oder mit Schriftzug, zum Beispiel: „fck crn“. Dahinter verbirgt sich, wenn man die fehlenden Vokale ergänzt, der schroffe englische Appell, das Coronavirus möge sich doch bitte schnell schleichen.

Während Österreich mit seiner Maskenpflicht Nägel mit Köpfen macht, freunden sich auch die Deutschen mit dem Gedanken an, nur noch mit Mund- und Nasenschutz aus dem Haus zu gehen. Auch die Politik hat nichts gegen private Masken. Sie könnten „einen Beitrag dazu leisten, die anderen vor sich selbst zu schützen“, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Telefonkonferenz der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Trotzdem sei man sich einig gewesen, nicht weiterzugehen und „derzeit keine Maskenpflicht auszurufen“.

Diesmal sind die Österreicher also kein Vorbild. Die Gründe sind vielfältig. Hochwertige medizinische Schutzmasken sind derzeit Mangelware und sollen zuerst an Kliniken und Praxen gehen. Auch die Effektivität einer flächendeckenden Pflicht ist unter Experten umstritten, Außerdem scheut sich die Politik, den Menschen noch mehr zuzumuten als bisher.

Die Konferenz der Länderchefs war der Versuch, eine erste vorsichtige Bilanz der strikten Schutzmaßnahmen zu ziehen. Der Tenor: Es gebe leichte Anzeichen dafür, dass sie wirken, aber keinen Grund zur Entwarnung. Auch die Kanzlerin spricht in einer Telefonschalte mit Journalisten später von „leichten Fortschritten“. „Wir sind aber weit davon entfernt, an den Kontaktsperren etwas zu ändern.“ Im Gegenteil: Sie werden bundesweit bis 19. April verlängert. Auch an Ostern müssten die Menschen soziale Kontakte „auf ein absolutes Minimum reduzieren“, sagte Merkel. „Eine Pandemie kennt keine Feiertage.“

Dass sich damit alle Länder auf ein gemeinsames Vorgehen – und ein Tempo – einigen, ist neu. Bisher war Bayern in der Coronakrise stets vorgeprescht, jetzt betont Söder, wie einig sich alle seien. Es habe in der Konferenz „keine Debatten, auch keine Stilfragen“ gegeben, sagt er. Auch Merkel sagt nachdrücklich, man arbeite „hervorragend zusammen“.

Sanfte Zweifel an der Einigkeit sind aber angebracht. Dass es etwa bei der strikten Ablehnung einer Exit-Diskussion bleibt, dürfte nicht jedem gefallen. Zuletzt hatte sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vehement dafür ausgesprochen, jetzt über die Zeit nach den Maßnahmen zu sprechen. Söder widerspricht dem erneut. „Wir brauchen jetzt Zeit, um das Gesundheitssystem hochzufahren“, sagt er – und kündigt an, noch mal 3000 Stellen in Bayerns Gesundheitswesen zu schaffen.

Ein Fokus soll auf den Pflegeheimen liegen. In den letzten Tagen war es in verschiedenen deutschen Einrichtungen zu vermehrten Infektionen und Todesfällen gekommen. Das Thema treibe ihn und die Kollegen „mit großer Sorge um“, sagt Söder. Um die Situation zu verbessern, habe man beschlossen, vorerst keine Neuaufnahmen mehr in den Heimen zuzulassen. In Bayern sollen stattdessen Kapazitäten in Reha-Einrichtungen genutzt werden. Außerdem solle das Personal „vollständig und mehrmals“ auf das Virus getestet werden.

Bei aller Länderharmonie lässt sich Söder in einer Frage doch noch ein Türchen offen. Aus Regierungskreisen war zuletzt zu hören, Bayern erwäge, eine Maskenpflicht spätestens nach den Osterferien einzuführen. Das kategorische Nein klingt am Ende von Söders gestrigem Statement auch nicht mehr ganz so klar wie zu Beginn. Man werde die Entwicklung in Österreich sehr genau beobachten und „schauen, wie das funktioniert“, sagt er. Am Dienstag nach Ostern wollen Bund und Länder die Lage generell neu bewerten. Womöglich ist die Maskenpflicht doch noch nicht vom Tisch.

Härtere Regeln für Heime

Artikel 10 von 11