WIE ICH ES SEHE

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch

von Redaktion

Jede Krise ist auch ein Härtetest. Stärken und Schwächen eines Landes treten hervor. Deutschland schneidet bisher sehr gut ab, angefangen bei unseren Regierungen von der Großen Koalition bis zu den Ministerpräsidenten. Sie haben durch abgewogene Entscheidungen an Ansehen gewonnen. Die schrägen Querschüsse von ganz links wie von rechts will niemand mehr hören. Manche grünen Luftschlösser sind zerronnen.

Und wenn es in Deutschland trotz vieler Erkrankungen und im krassen Gegensatz zu unseren Nachbarländern noch unter 1000 Todesfälle gibt, dann kann unser Gesundheitssystem so schlecht nicht sein. Ganz vorne liegen wir auch mit über einer Million durchgeführter Corona-Tests. Möglich war das, weil es in Deutschland ein dezentrales System von Laboren gibt, die flexibel agieren können. Frankreich mit seinem von oben durchregierten Gesundheitssystem „Santé publique France“ und England mit dem sozialistischen „National Health Service“ haben es bis heute gerade einmal zu jeweils 150 000 Tests gebracht.

Was beim Gesundheitssystem anfängt, setzt sich fort in unseren Familienunternehmen. Sie, und nicht Siemens & Co., bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Jetzt in der Krise treten sie als Retter hervor. Schon von der Firma Dräger in Lübeck gehört? Ein Weltunternehmen, das unter anderem die besten Atemgeräte produziert. In der Krise haben die Lübecker ihre Produktion mal eben vervierfacht. Kleine wie große Textilfirmen, darunter der aus der Fernsehwerbung mit dem Affen bekannte Wolfgang Grupp, haben sich schon umgestellt auf die Fertigung von Schutzmasken und Schutzkleidung.

Und was ist mit den auf dem Gebiet der Biotechnologie tätigen Start-ups BioNTech und CureVac? Sie liegen weltweit an der Spitze bei der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes gegen das Coronavirus. BioNtech ist unter anderem finanziert worden vom deutschen SAP-Gründer Dietmar Hopp. Beide Firmen werden von der gemeinnützigen „Bill & Melinda Gates Stiftung“ gefördert.

Ach ja, Dietmar Hopp und überhaupt unsere knorrigen „Unternehmer-Milliardäre“. In der Neidgesellschaft haben sie immer viel auszustehen. Vor Kurzem noch wurde Hopp mit Hassfotos verunglimpft, weil er neben vielen anderen gemeinnützigen Engagements auch seinen heimatlichen Fußballverein massiv gefördert hat.

Auch der Münchener Milliardär und Knorr-Bremsen-Inhaber Heinz Hermann Thiele erntet Kritik, weil er zu niedrigen Bewertungen zehn Prozent der Lufthansa-Aktien erworben hat. Etwas Besseres, als einen erfahrenen Unternehmer als Ankeraktionär, konnte der kriselnden Lufthansa dabei nicht passieren.

Weil aber nicht alle Investoren „ehrbare Kaufleute“ sind, darf der Staat, der jetzt im Übermaß Milliarden an die notleidende Wirtschaft gibt, sich nicht übers Ohr hauen lassen. Dass der Kaufhausaufkäufer Benko für Kaufhof und Karstadt den Schutzschirm der Insolvenz aufspannt, lässt seine Gläubiger im Regen stehen. Zum Komplex gehören aber wertvolle Kaufhausimmobilien in den besten Lagen deutscher Innenstädte. Diese Milliardenwerte, wohl geparkt in eigenen Immobiliengesellschaften, waren den Aufkäufern von Anfang an wichtiger als das lange schon schwächelnde Kaufhausgeschäft. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Benko und die hinter ihm stehenden Investoren mit den Grundstücken segnen, während der Staat womöglich öffentliche Hilfen gewähren muss.

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VON DIRK IPPEN

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