Bundesamt warnte 2012 vor Virus

von Redaktion

Behördenchef klagt: Vorschläge nicht ernst genug genommen

München/Berlin – Ein Bericht der Bundesregierung hat schon 2012 vor einem Virus gewarnt, das unser Gesundheitssystem zum Einsturz bringen könnte. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, das diese Risikoanalyse erstellte, klagt, dass ihre Warnungen weitgehend ignoriert wurden. „Leider wurde dieser Bericht wie so einige andere dieser jährlichen Risikoanalysen nicht in der wünschenswerten Tiefe diskutiert. Die letzten, sehr wichtigen Schritte im sogenannten Risikomanagementprozess fehlten in der Tat“, sagte der Präsident des Bundesamts, Christoph Unger, der „FAZ“.

Viele Fachbehörden hätten die Erkenntnisse zwar durchaus wahrgenommen, so Unger, „meist sind diese Risiken aber für die Politik zunächst weit weg und werden durch aktuelle Probleme nach hinten verdrängt“. So gebe es in Deutschland 17 Lager mit Sanitätsmaterial für den Kriegsfall. Damit lassen sich zwar Schusswunden und Verbrennungen behandeln, nicht aber Virus-Infektionen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz will diese Vorräte deshalb auch für Patienten mit biologischen sowie anderen Erkrankungen erweitern. Die aktuelle Lage zeige, „dass die Vorhaltung von bestimmten Ressourcen sinnvoll ist, auch wenn sie Steuergeld kostet“, sagt Unger.

Unter Federführung des Robert-Koch-Instituts wurde in der Risikoanalyse 2012 ein „außergewöhnliches Seuchengeschehen“ mit einem hypothetischen Virus „Modi-Sars“ durchgespielt. Es handelt sich dabei um ein Coronavirus. Die Begründung für diese Annahme: „Die Wahl eines Sars-ähnlichen Virus erfolgte unter anderem vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat.“ Damit ist die Verbreitung der schweren Atemwegserkrankung Sars gemeint, an der 2002/2003 in 30 Ländern mehr als 8000 Menschen erkrankten und knapp 800 starben. Mit neuen Krankheiten sei immer wieder zu rechnen, so der Bericht. Genau vorhersehbar sei das aber nicht. KLAUS RIMPEL

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