Queen ruft zum Durchhalten auf

von Redaktion

Die Opposition in London wacht auf. Der frisch gewählte Labour-Chef Keir Starmer macht Premier Johnson schwere Vorwürfe. Derweil wendet sich die Queen in einer Ansprache an ihr Volk.

VON CHRISTOPH MEYER

London/Windsor – Königin Elizabeth II. hat die Briten in einer historischen Rede zum Durchhalten in der Coronavirus-Pandemie aufgerufen – und ihnen Mut zugesprochen. „Wir bekämpfen diese Krankheit gemeinsam“, sagte die 93 Jahre alte Monarchin in der mit Spannung erwarteten Ansprache, die gestern Abend übertragen wurde. „Wenn wir vereint und entschlossen bleiben, werden wir sie überwinden“, so die Queen.

Abgesehen von den traditionellen Weihnachtsansprachen ist es erst die vierte solche Rede des seit 1952 amtierenden britischen Staatsoberhaupts. Zuvor hatte sich Elizabeth II. 2002 beim Tod ihrer Mutter, Queen Mum, sowie vor der Beisetzung Prinzessin Dianas 1997 und während des Golfkriegs 1991 an die Briten gewandt.

Es war ein nüchterner Auftritt. Die Königin trug ein grünes Kleid mit schlichter Perlenkette und eine passende Brosche. Anders als bei ihren Weihnachtsansprachen waren keine Bilder auf dem Tisch neben ihr aufgestellt, nur eine Porzellanschale mit roten Blumen war zu sehen.

„Ich richte mich an Sie in einer Zeit, die, wie ich weiß, zunehmend herausfordernd ist“, sagte die Queen. „Eine Zeit der Unterbrechung des Lebens in unserem Land; eine Störung, die Manche in Trauer gestürzt hat, für Viele finanzielle Schwierigkeiten und für uns alle enorme Veränderungen in unserem täglichen Leben bedeutet.“

Sie erinnerte an ihr erste Radioansprache im Jahr 1940. Als 14-Jährige richtete sie damals zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Margaret eine Radiobotschaft an Kinder, die wegen deutscher Luftangriffe von den Städten aufs Land gebracht wurden. Auch damals seien Familien voneinander getrennt worden, so die Königin. „Heute wie damals wissen wir im tiefsten Innern, dass es das Richtige ist“, sagte sie. „Aber es werden wieder bessere Tage kommen, wir werden mit unseren Freunden vereint sein, wir werden mit unseren Familien vereint sein. Wir werden uns wiedersehen.“

Zuvor hatte der frisch gewählte Chef der britischen Labour-Partei, Keir Starmer, den Druck auf Premierminister Boris Johnson in der Coronavirus-Pandemie erhöht. „Es sind schwere Fehler gemacht worden“, schrieb Starmer in einem Gastbeitrag in der „Sunday Times“. Der 57 Jahre alte ehemalige Menschenrechtsanwalt und frühere Leiter der Ermittlungsbehörde Crown Prosecution Service war am Samstag zum Chef der britischen Sozialdemokraten gekürt worden.

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