Stockholm/München – Der Appell an die Eigenverantwortung der Bürger scheint nicht mehr zu reichen. Lange ging Schweden einen Sonderweg im Kampf gegen die Corona-Pandemie – ließ Läden, Restaurants, Kindergärten und Schulen offen. Nun scheint die rot-grüne Regierung unter dem Druck der Fallzahlen anderen Ländern zu folgen.
Wie Schwedens öffentlich-rechtlicher Fernsehsender „svt“ berichtet, plant die Regierung ein Gesetz für Sonderregelungen. Damit sollen unter anderem Gastronomie und Geschäfte geschlossen und medizinische Geräte umverteilt werden können. Außerdem soll die Regierung Zugriff auf Häfen oder Flugplätze haben. Vergangene Woche wurden Skigebiete geschlossen, der Besuch im Altenheim untersagt. „Svt“ erfuhr, dass der Entwurf umgeschrieben wurde, damit das Parlament über einzelne Regelungen mitentscheiden darf. Diese Woche soll das Gesetz dem Reichstag vorgelegt werden, dann für drei Monate in Kraft treten.
Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität gibt es in Schweden 6830 nachgewiesene Fälle. Im Verhältnis zu den gut zehn Millionen Einwohnern Schwedens entwickelten sich die offiziellen Fallzahlen ähnlich wie die der Nachbarländer.
Ein Problem: Von 523 Intensivbetten ist ein Großteil offenbar bereits belegt. Offiziell sind bisher 373 Personen in Schweden gestorben. Doch laut der schwedischen Nachrichtenagentur „tt“ musste die Gesundheitsbehörde rückwirkend Zahlen nach oben korrigieren – am 26. März seien es somit 124 statt 66 Tote gewesen. Der für die Strategie mitverantwortliche Staatsepidemiologe Anders Tegnell erklärte, es dauere, bis alle Zahlen bekannt seien.
CINDY BODEN