München – Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt, wird noch Zeit vergehen. Experten rechnen in diesem Jahr eher nicht mehr damit. Umso wichtiger ist die Suche nach einem wirksamen Medikament. Das Problem: Die ganze Welt braucht möglichst schnell ein Gegenmittel. Medizin, die erst noch entwickelt werden muss, wäre also wohl nicht rechtzeitig und nicht in ausreichender Menge verfügbar. „Bestehende Medikamente sind die größte Hoffnung“, sagt deshalb der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann der „Bild“.
Der Pharmakonzern hat selbst einen aussichtsreichen Kandidaten im Rennen. Bayer setzt auf sein bereits vor Jahrzehnten entwickeltes Malaria-Medikament Resochin. Resochin ist der Bayer-Handelsname für den Wirkstoff Chloroquin. Das bereits in den 30er-Jahren entwickelte Medikament zur Malariaprophylaxe ist schon seit einigen Wochen im Gespräch, nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des Virus gezeigt hatten, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann.
Resochin sei sofort verfügbar. „Und wir werden alles dafür tun, dieses Medikament in ausreichenden Mengen herzustellen, wenn es tatsächlich wirksam sein sollte“, sagte Baumann dem Sender n-tv. Der Konzern ließ bereits insgesamt 600 000 Tabletten, die den Wirkstoff Chloroquin enthalten, nach Deutschland liefern und dort sicher einlagern. Bayer produziere das Medikament nun „ausschließlich fürs Gemeinwohl“ und gebe es „in der Krise kostenlos an Regierungen weiter“, sagte Baumann.
Um Chloroquin, das US-Präsident Donald Trump in erster Euphorie bereits als „einen der größten Durchbrüche der Geschichte der Medizin“ ankündigte, bemühen sich allerdings auch andere Länder. Frankreich hat den Export des Wirkstoffes bereits verboten und Marokko hat alle Bestände beschlagnahmt. Der Preis ist gestiegen, auch Fälschungen sind im Umlauf.
Um das Mittel gab es zuletzt allerdings auch viele Diskussionen. Forscher aus China und Frankreich berichteten nach ersten kleineren klinischen Studien mit Coronavirus-Patienten von positiven Ergebnissen. Eine Bestätigung der Wirksamkeit durch groß angelegte Studien steht aber noch aus. Die Europäische Arzneimittelagentur warnte davor, Coronavirus-Patienten mit Chloroquin zu behandeln. Eine Anwendung solle nur bei klinischen Tests oder in Notfällen erfolgen.
Auch mit anderen möglicherweise hilfreichen Präparaten deckt sich Deutschland gerade ein. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte Ende voriger Woche, dass die „zentrale Beschaffung“ mehrerer Arzneimittel „zum Einsatz in der Behandlung schwerwiegender Verläufe“ bei Covid-19-Patienten eingeleitet worden sei. Dazu zählt unter anderem das in Japan als Grippemittel zugelassene Avigan.
Geprüft werden auch Arzneimittel, die ursprünglich gegen Ebola, HIV oder Sars und Mers – zwei andere durch Coronaviren ausgelöste Krankheiten – entwickelt wurden. Das Medikament Kaletra wird eigentlich in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur HIV-Behandlung eingesetzt. Und Foipan ist in Japan zugelassen zur Therapie einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Auch für diese Mittel wurde die zentrale Beschaffung eingeleitet, so teilt das Ministerium mit. Wie „Bild“ gestern berichtete, dürfen Kliniken in Berlin zudem in Einzelfällen bei Schwerkranken nun auch ein neues Mittel einsetzen: Das Ebola-Medikament Remdesivir. afp, hor