München – Für Statistiker mag das Überschreiten bestimmter Marken von überschaubarem Wert sein – für Laien offenbart sich darin erst das wahre Ausmaß einer Situation. Weltweit sind nach Zahlen der Johns Hopkins Universität inzwischen 1,3 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, allein in Deutschland sind es seit gestern mehr als 100 000. Von den 70 000 Toten, die die Pandemie gefordert hat, sind 50 000 in Europa und knapp 10 000 in den USA zu beklagen. Das sind beeindruckende Zahlen – aufschlussreich werden sie aber erst im Detail.
Die USA etwa sind nach wie vor das Land mit der höchsten Fallzahl (rund 347 000 Infizierte, 10 300 Tote) und die nächsten Tage könnten das Land besonders fordern. Der Aufseher der US-Gesundheitsdienste, Jerome Adams, warnte, dies könnte die „härteste und traurigste Woche“ werden, die die meisten US-Bürger bisher erlebt hätten. „Das wird unser Pearl-Harbor-Moment, unser 9-11-Moment“, sagte er im TV-Sender Fox. Zwar sinkt die Ansteckungsrate leicht, trotzdem legt die Zahl der Neuinfizierten kräftig zu, zuletzt um täglich 9 Prozent.
Europas kommendes Sorgenkind ist Großbritannien, wo der Zuwachs mit derzeit 14 Prozent am Tag noch größer ist als in den USA. Statistisch verdoppelt sich hier die Infizierten-Zahl alle 5,4 Tage – der Wert von über 51 000 Betroffenen (5375 Tote) dürfte also schnell steigen. In Spanien wächst dafür die Hoffnung: Die Neuinfektionen gehen zurück. Außerdem schwächte sich der Anstieg der Todeszahlen spürbar ab. Madrid meldete gestern 637 Todesfälle binnen 24 Stunden – so wenige wie seit zwei Wochen nicht.
Allerdings sind nach einem zweitägigen Abwärtstrend die Covid-19-Todesfälle in Italien wieder angestiegen. Innerhalb von 24 Stunden wurden 636 Todesfälle verzeichnet, nachdem diese Zahl einen Tag zuvor noch auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Wochen gesunken war. Frankreich meldete mit 833 Opfern sogar die bislang höchste tägliche Todeszahl seit Beginn der Pandemie.
Deutschland und Bayern schöpfen aber Hoffnung. Bundesweit verdoppelt sich die Infiziertenzahl statistisch nur noch alle 10 Tage. Die Zahl der Kranken ist zwar hoch, die der Todesopfer (knapp 1600) aber verhältnismäßig moderat.
In Bayern, das gestern nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf insgesamt 25 355 Infizierte und 444 Tote kam, verdoppelt sich die Zahl der Infektionen nur noch alle 8,6 Tage. Der Zuwachs an Neuinfizierten liegt bei neun Prozent. mmä