München – CityPartnerMünchen ist ein Zusammenschluss von Unternehmen der Innenstadt. Im Interview spricht Geschäftsführer Wolfgang Fischer darüber, was sich der Handel vom Treffen im Kanzleramt erhofft.
Mit welchen Erwartungen blicken Sie nach Berlin?
Wir erwarten uns eine vernünftige Perspektive. Das Schwierige ist, dass man nicht absehen kann, wie lange der Zustand noch anhält. Die Allermeisten haben laufende Kosten bei null Einnahmen, egal ob Hotellerie, Gastronomie oder Einzelhandel.
Wie angespannt ist die Lage in München?
Durch die Bank, die Branchen, die Unternehmensgrößen sehr, sehr angespannt.
Wie viele Unternehmen kämpfen ums Überleben?
Kämpfen tun alle. Zu Beginn gab es gewisse Unsicherheiten mit Anträgen, Zuschüssen, Krediten. Das hat eine Weile gedauert. Es gibt einfach kein Handbuch für Pandemie-Situationen. Aber es wird besser. Es wird davon abhängen, welche Unterstützungsmaßnahmen greifen. So ein langes Absenken auf null hält kaum einer durch.
Gibt es konkrete Erkenntnisse aus der Krise?
Für einen großen Innenstadtwirt wie das Hofbräuhaus macht zum Beispiel das Anbieten von „To Go“ überhaupt keinen Sinn. Es lohnt sich nicht, so ein großes Haus dafür in Gang zu bringen, außerdem funktioniert „To Go“ nur in den jeweiligen Wohngebieten. Wenn die Menschen etwas brauchen, gehen sie um die Ecke. Niemand fährt aus Harlaching für ein Paar Weißwürste in die Stadt.
Welche Strategien haben sich am besten bewährt?
Wichtig sind Online-Angebote, das fängt bei Online-, Telefon- und WhatsApp-Beratungen an. Bei den Unternehmen, die vorher schon einen Shop hatten, wird die Aktivität auf diese gelenkt.
Wie viel fängt das auf?
Das muss man realistisch sehen. Zu Beginn haben Experten vorhergesagt, dass der Onlinehandel explodieren würde. Aber wenn Sie sich umschauen, laufen die DHL-Shops nicht vor Paketen über wie zu Weihnachten. Das ist auch verständlich. Die Mehrheit der Leute macht sich Gedanken über die Zukunft. Da sitzt nicht alles zuhause und plündert den Onlinehandel.
Für viele Menschen wird die Mietzahlung zum Problem. Auch im Handel?
Ich gehe davon aus, dass in Handel und Gastronomie alle mit ihren Vermietern gesprochen haben.
Mit welchem Ergebnis?
Ganz unterschiedlich. Die Augustiner-Brauerei hat bei ihren Wirten auf eine Monatspacht verzichtet. Oft gibt es auch Stundungen, damit das Unternehmen liquide bleibt. Und wenn die Krise vorbei ist, spricht man noch mal. Wir haben den OB angeschrieben wegen der Gebühren für die Freischankflächen. Es wäre ja irre, wenn Gastronomen Gebühren für Flächen zahlen müssten, die sie nicht nutzen dürfen. Das hat der OB in zwei Stunden aufgegriffen. Das ist gestundet, und später reden wir noch mal drüber.
Trauen Sie sich schon zu sagen, wann diese Krise bewältigt sein könnte?
Wir haben keine Glaskugel. Das Schlimmste wäre jetzt eine falsch vollzogene Öffnung. Wenn in drei Wochen die Infektionszahlen steil anstiegen und wir wieder zumachen müssten, wäre das der Ober-GAU. Wenn die Öffnung langsam verläuft, geht auch der Umsatz nur langsam hoch. Sollte dann alles wieder geschlossen werden, wäre das exorbitant teuer.
Interview: Marc Beyer