Bleibende Lungenschäden durch Covid-19?

von Redaktion

Experten halten dauerhafte Folgen für das Organ für denkbar – Hinweise darauf mehren sich

Kann eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 zu Spätschäden an der Lunge führen? Noch gibt es auf diese Frage keine klare Antwort. Doch: Es mehren sich Berichte, die darauf hindeuten.

Einer, der viele Covid-19-Patienten in der Notaufnahme versorgt, ist Dr. Frank Hartig, Oberarzt an der Medizinischen Universität Innsbruck. In einem Tauchsport-Magazin berichtete er von sechs Tauchern, die zur Kontrolle ins Klinikum gekommen waren. Die jungen Männer waren nicht allzu schwer erkrankt und hatten ihre Covid-19-Erkrankung daheim auskuriert. Doch selbst fünf bis sechs Wochen nach ihrer Genesung zeigten Computertomografische (CT) Aufnahmen ihrer Lunge: Das Organ hatte sich bei den Untersuchten lange nicht erholt.

Im Gegenteil: Die Bilder seigen „schockierend“ gewesen, schreibt Hartig – und geht davon aus, dass die Genesenen künftig nicht nur auf das Tauchen verzichten müssen. Er befürchtet, es könne sich um „irreversible Schäden“ an der Lunge handeln, die diese lebenslang zu Lungenpatienten macht. Von Covid-19 genesenen Tauchern rät er sicherheitshalber zu einer Kontrolle der Lunge, ehe sie ihr Hobby wieder aufnehmen. Doch auch Hartig räumt ein: Noch sei es Spekulation, ob es sich hier tatsächlich um dauerhafte Schäden handle.

Optimistisch gibt sich dagegen Prof. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Er setzt darauf, dass sich die Lunge nach Covid-19 regeneriert. „Ich habe schon Schlimmes gesehen, und die Patienten haben sich nach einem halben Jahr wieder komplett erholt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Hoffen wir, dass es hier auch so ist.“

Hinzu kommt: Nicht bei allen Patienten schafft es das Virus überhaupt vom Rachen bis in die Lunge. Beim weitaus größten Teil gelingt es dem Immunsystem, das Virus vorher niederzuringen. Schafft der Erreger den Abstieg in die Lunge, dringt er allerdings auch dort in Zellen ein. In der Folge kommt es zu einer Immunreaktion – einer Entzündung der Lunge.

Was Medizinern dabei früh aufgefallen ist: Diese verläuft anders, als man es von vielen viralen Lungenentzündungen kennt. So zeigen CT-Aufnahmen ein typisches Muster der Entzündungsherde. Diese, als helle Flecken sichtbar, sind verstreut in beiden Lungenflügeln. Und: Manchmal sind solche Veränderungen auch bei Patienten sichtbar, die leicht erkrankt sind.

Besonders stark leidet die Lunge allerdings bei einem schweren Verlauf. Das wiederum kann auch Folge der künstlichen Beatmung sein. Bekommen Patienten nicht mehr genug Luft, erhalten sie Sauerstoff erst per Nasenbrille oder Atemmaske. Reicht das nicht, werden sie in Narkose gelegt und künstlich beatmet. Auch dadurch kann das entzündete Lungengewebe weiteren Schaden nehmen. Die künstliche Beatmung erhöht zudem das Risiko für zusätzliche bakterielle Infektionen – je länger sie gebraucht wird, desto ungünstiger für den Patienten.

Wichtig ist wohl auch, wie die Beatmung durchgeführt wird und wann man beginnt. Hier sind Ärzte noch am Lernen. Vielleicht ist das auch der Grund für Berichte aus China: Dort hatte man schon im Februar bei Patienten, die schwer krank waren, aber genesen sind, relativ oft „Fibrosen“ gesehen, also Narbengewebe der Lunge. Vielleicht hilft Erfahrung, dies künftig zu vermeiden. A. EPPNER

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