München – Noch immer ist Schweden das Land, das sich in der Corona-Krise den gängigen Maßnahmen verweigert und bei Einschränkungen sehr liberal agiert. Während weltweit Ausgangsbeschränkungen oder -sperren, Schließungen und Quarantänen üblich geworden sind, setzt das Königreich auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger und greift allenfalls moderat ein. Weltweit wird aufmerksam verfolgt, wie sich der Kurs in Zahlen auswirkt. Nun scheint die Unruhe sogar im Land selbst zu wachsen.
In einer Pressekonferenz appellierte Ministerpräsident Stefan Löfven eindringlich an seine Landsleute, sich an die Vorgaben der Regierung zu halten, Abstand zu wahren und Menschenansammlungen zu meiden. Anlass waren Bilder aus Großstädten, wo Kneipen und Cafés wegen des schönen Wetters gut besucht waren. „Glauben Sie nicht einen Augenblick, dass wir die Krise gemeistert haben“, sagte er. „Die Gefahr ist noch lange nicht vorbei.“ Seine Worte klangen wie eine letzte Warnung an die Bürger, die bisher vergleichsweise wenig Verzicht üben müssen. Der Gastronomie solle klar sein, mahnte Löfven, „dass Restaurants und Bars geschlossen werden, wenn man sich nicht an die Regeln hält“.
Mittlerweile gibt es in Schweden 2021 Tote, davon mehr als die Hälfte im Großraum Stockholm. Bei einer Infektionszahl von über 16 700 beträgt die Sterblichkeitsrate rund zwölf Prozent. Allerdings wurde bislang wenig getestet, weshalb die Dunkelziffer der Infizierten deutlich höher liegen dürfte.
Verglichen mit den Nachbarn ist Schweden vom Virus schwer getroffen. Die Zahl der Toten pro eine Million Einwohner lag in einer am Mittwoch veröffentlichten Statistik bei 173,3. In Dänemark (63,8), Norwegen (34,2) und Finnland (25,6) war sie deutlich niedriger. Alle drei Länder hatten mit strengen Beschränkungen reagiert. mb