Retourkutsche aus Wien

von Redaktion

Kanzler Kurz erhebt Corona-Vorwürfe in Richtung Bayern

München – Markus Söder musste kurzfristig absagen. Der Ministerpräsident saß am Mittwochabend noch im Koalitionsausschuss, als die Talkshow von Sandra Maischberger begann, in der er hätte Gast sein sollen. Söder verpasste somit den Auftritt des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, mit dem ihn eigentlich eine Menge verbindet. Am Mittwochabend wäre das Treffen womöglich etwas kontroverser verlaufen.

Der Kanzler hatte in der ARD bereits die österreichische Corona-Politik und die aktuellen Lockerungen gerühmt („schön behutsam, schön vorsichtig“), als die unvermeidliche Frage nach Ischgl aufkam – jenem Skiort, den Söder erst neulich wieder öffentlich als „Virenschleuder“ betitelt hatte. Kurz lavierte zunächst und sagte, er tue sich „ein bisschen schwer mit dem ,Blame Game’“, also dem gegenseitigen Zuschieben von Schuld. Dann beteiligte er sich aber seinerseits daran.

Es existierten ja verschiedenste Theorien über den Ursprung des Virus in Europa, setzte er an: die Chinesen, die italienischen Touristen, die Skigebiete in Österreich und der Schweiz. Und es gebe da auch „eine Studie, dass sich das Virus in Europa von München aus ausgebreitet haben soll“. Vermutlich meinte er damit eine Hypothese, die ein amerikanischer Wissenschaftler bereits vor sechs Wochen formulierte, die aber damals prompt auf Widerspruch stieß. Kanzler Kurz jedenfalls wollte „niemandem einen Vorwurf machen“. Und Söder konnte nicht aus bayerischer Sicht reagieren.

In Österreich werden gerade etliche Beschränkungen gelockert. Ab 15. Mai sollen wieder Gottesdienste möglich sein, unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und dem wachsamen Auge eines Ordnungsdienstes. Und auch den Tourismus will Kurz wieder ankurbeln. Was Gäste aus Deutschland betrifft, sagt er, sei er sehr optimistisch.  mb

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