CSU bastelt an Hotel-Regeln

von Redaktion

Vorschlag: Langsamer Start mit Drittel der Umsätze, Frühstücks-Schichten und deutschen Gästen

München/Rosenheim – In der CSU reifen erste Überlegungen, mit welchen Auflagen die Hotels in Bayern wieder aufsperren können. „Durch die Vollbremsung im Hotel- und Gastgewerbe sind die Umsätze größtenteils auf nahezu null eingebrochen“, sagt der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, der den Tourismusverband Oberbayern-München führt. „Das ist mehr als bitter.“ Er schlägt einen Stufenplan zum Wiedereinstieg vor. Die Eckpunkte liegen unserer Zeitung vor.

Oberste Priorität habe die Rettung von Menschenleben. „Genauso aber wollen wir die getroffenen Maßnahmen in großer Verantwortung so schnell wie möglich wieder zurückfahren.“ Ministerpräsident Söder habe Lockerungen für die Branche „für Mitte Mai/Anfang Juni“ in Aussicht gestellt, wenn die Infektionszahlen nicht wieder steigen. Bis dahin müsse man die Branche auf die Öffnung vorbereiten, sagt Stöttner (56), der in der Fraktion die Tourismuspolitik verantwortet.

Zu seinem Konzept zählen für Hotels ein kontaktloser Check-in und überall Desinfektionsmittelspender. Das Frühstück soll es nur im Hotelzimmer, zum Mitnehmen oder mit konkreten Zeitfenstern geben. „Der Tourismus wird nur sehr langsam starten und die Hotels werden mit maximal 30 bis 40 Prozent nur den Deckungsbeitrag erwirtschaften können“, sagt Stöttner. Keiner müsse „Angst vor überfüllten Hotels und Restaurants“ haben.

In der ersten Phase sollen die kleineren und naturnahen Anbieter starten: Ferienwohnungen, Ferien auf dem Bauernhof und Campingplätze für Dauercamper, besonders Angebote für Familien und Paare. Später sollen größere Hotels folgen, die Gastronomie dann mit weniger Tischen und einem großen Abstandsgebot. „Auch Ausflugsziele für Tagestouristen – Minigolf, Tennis, Golfplätze, Bootnutzung und Bergbahnfahrten – können in dieser Phase sukzessive verfügbar gemacht werden, weil das Kontaktgebot hier überschaubar ist“, sagt Stöttner. Eine Komplett-Öffnung ohne Auflagen sei erst realistisch, wenn ein Impfstoff vorliegt.

Das Konzept liegt nahe an Vorschlägen, die aus der Branche kommen. Dort ist man auch bereit, den Zugang in Fitnessbereiche, Hotelbäder und Wellnessbereiche zu limitieren – die dürften allerdings bisher überhaupt nicht öffnen. Politisch ist Stöttners Vorstoß heikel. Sein Chef Söder sieht Öffnungs-Debatten, die vor allem von den Freien Wählern, aber auch von AfD und FDP forciert werden, skeptisch. Die Branche ruft andererseits nach einer Perspektive und hofft, das Urlaubsgeschäft 2020 nicht komplett zu verpassen. Zudem setzen in Österreich Versuche ein, für die Sommersaison deutsche Touristen über die Grenze zu locken.

Stöttner will möglichst viel vom Umsatz in (Ober-)Bayern halten. „2020 wird kein Jahr der Fernreisen. Bayern ist bereits jetzt ein attraktives Ziel für Urlauber aus Deutschland. Diese Chance müssen wir noch mehr ergreifen.“ Bis Ende Juni solle sich Bayern vorbereiten. „Wir müssen attraktiv für Gäste aus Deutschland sein.“ Er schlägt innerdeutsche Marketingkampagnen vor. Dabei könne man auch gezielt Corona-Risikogruppen (vor allem ältere Menschen) ansprechen. Erst wenn die Pandemie im Griff ist, sei „die Zeit für grenzüberschreitenden Tourismus mit unseren unmittelbaren Nachbarn wie Österreich gegeben“.

Um den Betrieben bis dahin das Überleben zu sichern, fordert Stöttner von der Immobilienwirtschaft einen Teilverzicht auf Mieten. Und: Die Hausbanken dürften nicht „übervorsichtig“ mit den Betrieben umgehen, sondern müssten „mehr Fingerspitzengefühl“ zeigen.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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