Das Rest-Risiko beim Corona-Test

von Redaktion

Müssten Corona-Erkrankte nicht abschließend getestet werden, bevor sie in der Statistik als „genesen“ aufgeführt werden dürfen? Was Patienten unbedingt wissen sollten – und wie Experten des Robert-Koch-Instituts rechnen.

VON ANDREA EPPNER UND BARBARA NAZAREWSKA

München – Wie lange ist man krank und ansteckend – und wann gilt man endlich als genesen? Fragen, die sich gerade viele Menschen stellen, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. So ging es auch einem Leser, der sich kürzlich mit einer Zuschrift an unsere Zeitung wandte, weil er sich sehr wunderte. Er und seine Frau waren positiv auf das neue Coronavirus getestet worden. Doch während seine Frau, die in der Pflege arbeite, mehrmals getestet worden sei, blieb es in seinem Fall bei einer einzigen Untersuchung. Dabei habe er zehn Tage lang fast 40 Grad Fieber gehabt, dazu starke Atemprobleme.

Inzwischen gelte er als gesund, da er keine Symptome mehr zeige – „obwohl ich das Virus immer noch in mir haben kann“, schrieb er. Seine Frau sei dagegen noch vier Mal positiv auf das Virus getestet worden, obwohl es ihr augenscheinlich wieder gut ging. Der Leser wünschte sich, jeder Infizierte solle erst nach einem negativen Test aus der Quarantäne entlassen werden. Geht man hier also zu sorglos vor?

Wie so oft, wenn es um das neue Coronavirus geht, ist die Sache komplizierter: Wer sich über die wachsende Zahl der Genesenen freut, die täglich gemeldet werden, sollte wissen: Diese ist „eine grobe Schätzung und keine genaue Berechnung“, wie es beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin auf Anfrage unserer Zeitung heißt. So würden nach einem positiven Corona-Test -–ausgehend vom Meldedatum oder, wenn vorhanden, vom Zeitpunkt des Erkrankungsbeginns – „feste Zeitintervalle addiert, wobei angenommen wird, dass der Großteil der Personen in diesem Zeitraum bereits wieder genesen ist“. Zumindest für die Statistik gilt demnach also als genesen, wer nicht zwischenzeitlich ins Krankenhaus musste oder verstorben ist.

Das bedeutet konkret: Menschen, die in dieser Statistik bereits als „genesen“ geführt werden, können im Einzelfall durchaus noch krank sein. Für Betroffene, die kein zweites Mal getestet wurden, bleibt damit die Frage: Wann kann ich sicher sein, andere Menschen nicht mehr zu gefährden? Auch hier ist die Antwort nicht ganz so einfach. Klar ist: Die Ansteckungsgefahr nimmt mit Dauer der Erkrankung ab. Am höchsten ist sie am Tag vor dem Einsetzen der ersten Beschwerden. Ansteckend sind Infizierte sogar schon zwei Tage davor. Deutlich geringer ist indes dieses Risiko nach Abklingen der Beschwerden – auch wenn das RKI hierzu anmerkt: „Das Ende der infektiösen Periode ist momentan nicht sicher anzugeben.“ Immerhin gibt es dazu Anhaltspunkte.

So habe man in einer kleinen Studie an neun Patienten Rachenabstriche und Speichelproben untersucht. In den Rachenabstrichen wurden demnach bis zum vierten Tag, im Speichel bis zum achten Tag nach Beginn der Symptome „vermehrungsfähige Viren“ nachgewiesen – und genau die sind entscheidend für die Frage, ob man noch ansteckend ist. Denn: Selbst wenn erneut ein PCR-Test durchgeführt wird und dieser positiv ist, muss das zum Ende der Erkrankung hin nicht mehr bedeuten, dass man auch noch ansteckend ist. Mit dem Test wird nämlich nur geprüft, ob noch Virus-Erbgut nachweisbar ist – ob diese Erreger noch aktiv sind, lässt sich damit aber nicht feststellen.

Doch jeden Infizierten so oft zu testen, bis kein virales Erbgut mehr nachweisbar ist – das sei schlicht nicht praktikabel, heißt es unter Infektiologen. Das sei nur im medizinischen Bereich notwendig. Alle anderen können sich jedoch mit einer Faustregel behelfen: „Wer nach zwei Wochen symptomfrei ist, gilt in der Regel als geheilt und nicht mehr infektiös“, sagen Experten. Um sicherzugehen, sollte man aber gerade in der ersten Zeit besonders auf Regeln achten, die eigentlich ohnehin jeder beherzigen müsste, also etwa Abstand halten und Maske tragen. Damit sei die Gefahr einer Weitergabe des Virus bereits erheblich reduziert.

Denn letztlich ist es auch in der Medizin wie so oft im Leben: Risiken lassen sich zwar minimieren – mit absoluter Sicherheit ausschließen lassen sie sich aber nicht.

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