Pjöngjang/Seoul – Zwei Tage nach der überraschenden Rückkehr von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in die Öffentlichkeit hat ein Zwischenfall an der Grenze des Landes zu Südkorea Besorgnis ausgelöst. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs kam es zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten beider Länder.
Der Generalstab in Südkorea warf nordkoreanischen Soldaten vor, sie hätten am Morgen mehrere Schüsse auf einen südkoreanischen Grenzkontrollposten in der vier Kilometer breiten militärischen Pufferzone abgegeben. Südkoreanische Soldaten hätten das Feuer mit zwei Schusssalven erwidert.
Kim Jong Un war fast drei Wochen lang von der Bildfläche verschwunden gewesen. Dies hatte international für Spekulationen über eine schwere Erkrankung oder gar den möglichen Tod des Machthabers ausgelöst. Am Samstag berichteten die Staatsmedien, Kim habe am 1. Mai an einer Zeremonie zur Fertigstellung einer Düngemittelfabrik nördlich von Pjöngjang teilgenommen. Bilder zeigten ihn sichtlich gut gelaunt. Wo er in der Zwischenzeit war, blieb ungeklärt. Die nordkoreanische Zeitung „Rodong Sinmun“ zeigte Fotos von Kim, wie er in einem dunklen Mao-Anzug ein rotes Band zerschneidet oder sich auf dem Fabrikgelände breit lächelnd im Kreis von Funktionären bewegt.
Die staatlich kontrollierten Medien hatten 20 Tage lang nicht mehr von öffentliche Aktivitäten Kims berichtet, der nach Angaben Südkoreas 36 Jahre alt ist. Jetzt folgte sein inszenierter Auftritt vor jubelndem Publikum. Hunderte von Menschen, die einen Mundschutz trugen, klatschten vor der Bühne auf dem Gelände der Fabrik. Alle Anwesenden hätten „Hurra“ gerufen, um Kims Einsatz für die Düngemittelindustrie zu würdigen, hieß es.
US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: „Ich für meinen Teil freue mich, dass er wieder da ist und es ihm gut geht!“ Trump setzt auf sein gutes Verhältnis zu Kim, um die derzeit stockenden Verhandlungen über Nordkoreas Atomwaffenprogramm wieder fortsetzen zu können. Die beiden hatten sich in der Vergangenheit bereits dreimal getroffen.
Die auf Nordkorea spezialisierte Internetzeitung „Daily NK“ in Südkorea hatte zuvor berichtet, Kim habe sich einer Operation am Herzen unterziehen müssen. Später gab es sogar Gerüchte, er sei tot. Kim ist übergewichtig und gilt als starker Raucher. Sein Vater Kim Jong Il war 2011 an einem Herzinfarkt gestorben. DIRK GODDER