„Man kann eine Öffnung riskieren“

von Redaktion

Münchner Arzt hält es für tragbar, Kinder wieder in Kitas zu schicken – wenn die Hygiene stimmt

Immer mehr Kinderärzte machen sich für eine Öffnung von Kitas stark – vorausgesetzt, es werden Hygienemaßnahmen eingehalten und engmaschige Kontrollen sowie stichprobenartige Corona-Tests vorgenommen. „Wenn diese Bedingungen konsequent erfüllt werden, kann man diesen Schritt riskieren“, sagt auch Professor Dr. Johannes Hübner. Der renommierte Chef-Infektiologe des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München forscht intensiv zum Thema Corona bei Kindern. Unter seiner Federführung läuft bereits eine große klinische Studie, finanziert von der Care-for-Rare-Stiftung (www.care-for-rare.org).

Wie groß ist das Bedrohungspotenzial des neuartigen Coronavirus für Kinder – und für die Erwachsenen, wenn Schulen und Kindertagesstätten wieder geöffnet werden?

Kinder sind sehr viel weniger von Corona betroffen als Erwachsene. Sie stecken sich seltener an, und die Erkrankung verläuft nur in wenigen Fällen schwer. Sehr oft zeigen Kinder gar keine Symptome. Nur ein bis zwei Prozent der positiv getesteten Patienten sind Kinder. Todesfälle sind eine absolute Rarität. In Deutschland ist bisher ein Kind gestorben, und auch weltweit gibt es Gott sei Dank nur sehr wenige Opfer.

Es gibt allerdings auch Kinder, die mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Liegen dazu aktuelle Zahlen vor?

Ja, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie führt dazu ein Melderegister. Danach werden derzeit in Deutschland 121 Kinder stationär behandelt, 14 von ihnen auf Intensivstationen.

Und bei Ihnen in der Kinderklinik?

Bei uns in der Haunerschen Kinderklinik hatten wir bislang einige wenige Fälle, nur ein Kind hat intensivmedizinische Pflege benötigt. Wir testen inzwischen jedes Kind, das in unsere Klinik kommt, auf das neuartige Coronavirus. Von etwa 200 Kindern waren bisher drei positiv, in zwei Fällen war die Infektion bereits vorher bekannt.

Politiker befürchten, dass Kinder das Virus an ihre Eltern und Großeltern weitergeben könnten. Halten Sie diese Sorge für berechtigt?

Wir wissen noch wenig darüber, wie ansteckend Kinder wirklich sind. Allerdings gibt es sogenannte Familien-Übertragungsstudien, beispielsweise aus China. Dabei wird zurückverfolgt, wer das Virus in die Familie gebracht hat. Nur in ungefähr zehn Prozent der Fälle waren es Kinder. Meist waren es die Erwachsenen, die die Kinder angesteckt haben.

Interview: Andreas Beez

Artikel 1 von 11