Der Wettlauf um die Touristen

von Redaktion

Der große Sommerurlaub fällt wohl ins Wasser. Reisen im Inland werden aber möglich sein. Die Bundesländer starten bereits den Wettlauf um deutsche Touristen. Bayern will da nicht zu kurz kommen und erlaubt rechtzeitig zu den Pfingstferien die Öffnung der Hotels.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER, CLAUDIA SCHURI UND WOLFGANG HAUSKRECHT

München – Das Datum ist mit Bedacht gewählt. Am 30. Mai darf in Bayern die Tourismusbranche wieder hochfahren, wenn auch unter strengen Auflagen: keine Sauna, keine Schwimmbäder, kein Wellness, strenge Hygienevorschriften. Aber immerhin können Bayerns Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze mit Beginn der Pfingstferien wieder öffnen – gerade rechtzeitig, um im Werben der Bundesländer um wertvolle Inlandstouristen nicht den Kürzeren zu ziehen.

Immer mehr Bundesländer preschen vor. Mecklenburg-Vorpommern will ab 25. Mai wieder deutsche Urlauber an die Ostsee locken, Niedersachsen mit seiner Nordseelage peilt für die Hotels ebenfalls den 25. Mai an, Ferienhäuser und Campingplätze sollen sogar schon ab 11. Mai wieder öffnen. Heute soll das Paket nach der Telefonkonferenz zwischen Bund und Ländern beschlossen werden.

Es ist kein Zufall, dass die Länder reihenweise kurz vor Pfingsten ihre Hotels öffnen lassen. Es geht um Milliarden, um Wertschöpfung, Steuern, Statistiken, Jobs, um die Rettung einer versauten Saison. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ruft die Bayern offen auf, an Pfingsten im Freistaat Urlaub zu machen. „Es gibt keinen Anlass, in benachbarte Länder fahren zu müssen.“

Auch nicht nach Österreich, da unterstützt Söder die deutsche Grenzschließung klar. Er erinnert daran, dass der Bund zehntausende Urlauber zu Beginn der Krise aus allen Ecken der Welt heimgeholt hatte, und fügt kühl an: „Jetzt sind alle zuhause, jetzt können sie auch mal daheim bleiben.“ Hinter den Kulissen heißt es, er habe sich vor allem über das Vorpreschen von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geärgert.

Wo darf man ab wann wie Urlaub machen? „Einen Fleckenteppich gilt es sowohl zum Wohl der Branche als auch der Urlauber unbedingt zu verhindern“, kritisiert Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands DTV. Kunz begrüßt zwar die Lockerungen, fordert aber ein bundeseinheitliches Vorgehen. Notwendig sei endlich eine gemeinsame Task-Force von Bund, Ländern und den wichtigsten touristischen Verbänden. In der Branche gehe es um fast drei Millionen Beschäftigte.

Und es geht um sehr viel Geld. Allein im März und April seien der deutschen Tourismusbranche rund 24 Milliarden Euro Verlust durch die Folgen des Coronavirus entstanden, teilte der Tourismusverband Oberbayern mit. In Oberbayern betrage der Umsatzausfall gut 1,6 Milliarden Euro. Für Mai sei ebenfalls ein hoher Verlust zu erwarten. Da zählt jeder Deutsche, den man ab Juni nach Bayern locken kann.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband äußerte sich gestern zurückhaltend zufrieden mit den von Söder verkündeten Lockerungen. Dass nun ein konkreter Zeitplan vorliege, sei „ein ganz wichtiges Signal an die Branche sowie deren Mitarbeiter“, sagte Präsidentin Angela Inselkammer. Zwar hätten viele auf eine noch schnellere Öffnung gehofft, ganz wichtig sei aber, „dass Ferienzeiten nicht verkürzt wurden und wir für unsere Gäste bereits zu Pfingsten wieder da sein dürfen“. Inselkammer forderte weitere Gespräche. Dass in den Hotels die Wellnessbereiche zu bleiben müssen, sei „ein großer Wermutstropfen“. Zudem gebe es weiter keine Perspektive für Bars, Clubs und Diskotheken.

Dennoch hat der gestrige Tag offenbar ein Stück Optimismus zurückgebracht. „Wir sind froh, dass wir das Pfingstgeschäft noch mitnehmen können“, sagt Christoph Winkelkötter, Chef der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung Starnberg-Ammersee. „Die Gastronomie hat arg gelitten. Für sie ist es ein wichtiges Zeichen, jetzt endlich eine Perspektive zu haben.“ Der bayerische Tourismus werde davon profitieren, dass in nächster Zeit keine Auslandsreisen möglich sind. „Seit dem Wochenende bemerken wir wieder verstärkte Buchungstätigkeiten.“

Auch Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee-Schliersee ist wieder besserer Dinge. „Wir gehen davon aus, dass das Interesse an unserer Region höher ist als sonst.“ In den letzten Jahren seien die Buchungszahlen schon gut gewesen, jetzt könne es noch eine weitere Steigerung geben.

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