Coesfeld – Deutsche Schlachthöfe entwickeln sich zunehmend zu Corona-Brennpunkten. Im April brach die Krankheit bereits in einem Fleischwarenwerk in Birkenfeld in Baden-Württemberg aus. Jetzt sind Belegschaften in Coesfeld und Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen) sowie Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein betroffen. Die Fleischindustrie steht wegen der Arbeits- und Unterkunftsbedingungen seit vielen Jahren in der Kritik.
Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ist überzeugt, dass die Unterbringung der Arbeiter – viele aus Ost- und Südosteuropa, viele bei Subunternehmern beschäftigt – die Verbreitung des Virus begünstigt. Referatsleiter Thomas Bernhard sagt: „Sie wohnen zu eng aufeinander.“ Zu kleine Wohnungen, zu viele Leute darin, zu wenig Sanitärräume – „ein Riesenproblem“. Dominique John von der DGB-Initiative „Faire Mobilität“ sagt mit Blick auf einen Fall in Sachsen-Anhalt: „Da wurden alte Wohnblocks angemietet, und neun bis zehn Menschen in einer Wohnung untergebracht.“ In den Betrieben werde zwar auf Schutzmaßnahmen geachtet – „hinter dem Werkstor ist das aber schnell vergessen“.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach von einem „ausbeuterischen Geschäftsmodell“, mit dem nun „Schluss sein“ müsse. „Corona offenbart die unhaltbaren Zustände in einigen Schlachthöfen“, sagte Hofreiter. „Schon vor der Krise war bekannt, wie mies die Hygiene in vielen Betrieben ist. Das liegt auch an den extrem schlechten Arbeitsbedingungen – von mangelhafter Ausrüstung bis ausbeuterischen Arbeitszeiten.“ Ein „zentrales Problem“ sei die Unterbringung in „überbelegten, miserablen Unterkünften“. dpa/afp