München – Dem Urlaub entgegenzufiebern, ist gerade keine gute Idee. Wer im Sommer reisen will, muss mit wiederholten Fieber-Messungen und Auflagen rechnen. Als eine der ersten Fluggesellschaften hat jetzt die französische Air France ihre Konzepte vorgelegt. Mittelfristig soll jeder Passagier vor dem Einsteigen gemessen werden. Ab 38 Grad kann der Mitflug verweigert werden, das Ticket wird auf einen späteren Zeitpunkt umgebucht. An Bord gilt natürlich Maskenpflicht, es sollen zwischen Passagieren Sitze frei bleiben. Getränke gibt es nicht,
Das französische Konzept gibt einen kleinen Einblick in die Nöte der Reisebranche. Irgendwie soll ein Sommertourismus ermöglicht werden, seien die Auflagen auch noch so groß. „Wir haben einen Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele ausgearbeitet und werden Urlaub nur dort anbieten, wo er auch sicher ist“, erzählt Tui-Chef Friedrich Joussen. Er will laut „Bild am Sonntag“ so bald wie möglich wieder Urlaubsreisen in den Mittelmeerraum anbieten. „An erster Stelle steht dann sicherlich Mallorca. Die Hotels dort haben einen Probelauf gemacht, können sofort starten und Gäste aufnehmen.“ Auch Griechenland, Zypern, Kroatien, Bulgarien, Österreich und Dänemark seien gut auf den Sommertourismus vorbereitet. Fernreisen sieht er vorerst nicht.
Allerdings: „Zunächst muss Deutschland die Grenzen öffnen“, sagte Joussen. Die weltweite Reisewarnung bis 14. Juni halte er nicht für richtig. Man solle für jedes Land oder jede Region eine individuelle Bewertung vornehmen.
Die Länder selbst sehen sich schon auffällig gut gerüstet. Österreich, das mit Ischgl einen guten Teil der Infektionsketten in Europa verursachte, öffnet Ende Mai seine Hotels wieder. In Spanien sperren in Mallorca und im Baskenland Hotels wieder auf. Die holländischen Feriengebiete folgen am 1. Juli. Montenegro preist sich als „bald coronafreies Urlaubsland“. In Slowenien dürfen Hotels mit weniger als 30 Betten und Campingplätze wieder loslegen. Italien setzt für den Sommer mindestens auf inländische Gäste. Griechenlands Tourismusminister richtet den Deutschen aus, sie seien „unser wichtigster Tourismuspartner, wir lieben sie!“ Ab Juli solle es losgehen. Sogar die Türkei bereitet sich mit Auflagen für Hotels auf Touristen vor. Im Juni solle es nach und nach wieder internationale Flüge geben.
Bis dahin wird auch die Frage der Grenzen in Deutschland entschieden sein. Hier wächst der Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), die Ein- und Ausreiseregeln zu lockern. NRW- Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bekräftigte, die Grenze zu Frankreich müsse endlich wieder öffnen. Er fordert nun auch Gespräche mit Österreich. Auch seine Kollegen Tobias Hans (Saarland, CDU) und Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz, SPD) fordern eine schnelle Öffnung.
In der CSU gibt es nach wie vor unterschiedliche Stimmen. Parteichef Markus Söder steht für eine zurückhaltende Linie. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verlangt schnelle Erleichterungen für Berufspendler, aber „in naher Zukunft“ kein Ende der Grenzkontrollen. Parteivize Manfred Weber meldet sich indes mit dem Ruf nach einer schnellen Öffnung. „Die Freizügigkeit ist ein Grundrecht der Bürger und kein Brotkrümelchen, das man geschenkt bekommt“, sagte er dem „BR“. Er schlägt gemeinsame europäische Hygiene-Standards vor: „Corona ist in einem Münchner Hotel genauso problematisch wie in einem Hotel in Madrid.“ Mit Standards könne es „auch gelingen, dass wir einen vernünftigen Sommer 2020 gemeinsam erleben“.
Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken sagte, für generelle Grenzöffnungen scheine es zu früh. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte einen konkreten Plan. Die Schließungen seien eine Belastung für „Familien, Lebenspartnerschaften und Berufstätige in den Grenzregionen“.