Infektionsgefahr im Kreißsaal

von Redaktion

Müssen Mütter bei der Geburt Mund-Nasen-Schutz tragen? – Grüne fordern spezielle Masken für Hebammen

München – Den Mund-Nasen-Schutz verteilte schon der Pförtner. „Ich musste in der Klinik von Anfang an eine Maske tragen“, erzählt unserer Zeitung eine Münchner Mutter, die ihr Kind mitten in der Corona-Krise zur Welt gebracht hat. Auch im Kreißsaal habe sie den Schutz anfangs noch getragen. „Aber als es mit dem Atmen anstrengender wurde, haben die Hebammen gesagt, ich kann sie abnehmen.“ Mund-Nasen-Schutz und Presswehen – das geht nicht gut zusammen.

„Keine Hebamme wird eine Frau aus dem Kreißsaal verweisen, weil sie es mit Mundschutz nicht aushält“, sagt Mechthild Hofner, die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands (BHLV). Dabei sind Kreißsäle eigentlich Corona-Risikogebiet. „Die Frauen atmen mit Druck aus“, sagt Hofner. Sie stoßen dabei Aerosole aus, die – sofern die Frau infiziert ist – eine hohe Ansteckungsgefahr bergen. Bei der Frage, wie sie damit umgehen sollen, müssen sich die Hebammen weitgehend auf ihr eigenes Urteilsvermögen verlassen. „Es gibt keine genauen Anweisungen“, sagt Hofner.

Tatsächlich beantwortet das Gesundheitsministerium die Frage unserer Zeitung, ob Mütter bei der Geburt Masken tragen müssen, mit einem Wort: „Nein“. Gleichzeitig verweist das Ministerium bei den geltenden Vorgaben im Kreißsaal aber auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Darin heißt es, „das Tragen von medizinischem Mund-Nasen-Schutz durch die Patient*innen in Situationen, wo ein Kontakt oder Begegnung zu anderen Personen wahrscheinlich ist“, könne erforderlich sein. Jedenfalls „soweit dies toleriert werden kann“.

Abzuwägen sei also „der Schutz der Hebamme“ gegen die „Freiheit der Gebärenden“, sagt Hofner dazu. Dass das Ministerium den Hebammen dabei mit dem Verzicht auf eine eindeutige Vorschrift auch eine gewisse Beinfreiheit lässt, findet sie nicht unbedingt falsch. Es wäre allerdings „wünschenswert“, dass neben den in Kliniken festangestellten Hebammen auch die freiberuflichen Hebammen bei der Verteilung von Schutzausrüstung in eine vorrangige Bedarfsgruppe eingeschlossen würden. Denn wer – wie auch viele Hebammen gerade zu Anfang der Krise – zu wenig Material erhält, kann sich nicht ausreichend schützen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag fordert deshalb, Hebammen im Kreißsaal während der Presswehen FFP2- und FFP3-Masken zur Verfügung zu stellen, die das Virus abhalten. „So schützen wir das Gesundheitspersonal und erleichtern den Gebärenden das Atmen“, sagt Christina Haubrich unserer Zeitung. Zudem sollten die Mütter vor der Geburt auf das Virus getestet werden. Zwar werde man das Ergebnis nicht vor den Presswehen erfahren, es sei aber für das Verhalten des Gesundheitspersonals nach der Entbindung wichtig.

Eine Testung von Müttern ohne Krankheitsanzeichen hält das Gesundheitsministerium allerdings nicht für sinnvoll. Da die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen könne, bringe ein negativer Corona-Test keine Gewissheit. SEBASTIAN HORSCH

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