München – Im Januar durfte Fabian Mehring einige recht freundliche Zeilen über sich lesen. „Der Senkrechtstarter“, betitelte die „Staatszeitung“ ein langes Porträt des jungen Abgeordneten. Als Neuling im Landtag wurde der Freie Wähler Ende 2018 sofort Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. „Statt erst mal ein jahrelanges mühseliges Dasein als Hinterbänkler zu fristen, sitzt er an den Schalthebeln der Macht.“ Das stimmt. Nur: Mindestens so gern wie die Hebel hat er die Hupe.
In der Corona-Krise hat sich der 31-Jährige aus Schwaben zu einem der lautesten Abgeordneten des Landtags entwickelt. Immer wieder meldet sich Mehring öffentlich zur Wort. Er findet Aufmerksamkeit, weil er sich lautstark auch gegen die Linie der Staatsregierung positioniert. Vor allem beim Lockerungs-Kurs versucht er auf offener Bühne, die CSU von Markus Söder vor sich her zu treiben.
Mehring fordert seit Ende März eine Exit-Strategie aus den strikten Corona-Regeln. Zum Murren der CSU gründete er eine „Task Force“ in der Fraktion, um über den Ausstieg aus den Auflagen zu reden. Im April folgten Vorstöße auf Parteiebene für einen schnelle Öffnung aller Läden mit gleichzeitiger Maskenpflicht, dann der Wirtshäuser und Hotels. Später verlangte Mehring gelockerte Regeln für Breitensportler. Im Mai legte er die nächste Arbeitsgruppe drauf für „einen Neustart und Lehren aus Corona“. Und am Freitag forderte er die Wiedereröffnung von Sportcentern sowie Perspektiven für Fitnessclubs, Tanzschulen und Yogastudios. „Eine ganze Gesellschaft auf Dauer wegzusperren würde noch größere Probleme verursachen als das Coronavirus selbst“, verbreitete er.
Der Kollege agiere „etwas forsch und hochtourig“, heißt es aus der CSU zunehmend genervt. In der eigenen Partei hat Söder solche Querschüsse aktuell fast komplett im Griff. Mehring kann er das Wort aber nicht verbieten – der gehört ja weder der CSU noch Söders Kabinett an. Als Parlamentarischer Geschäftsführer, also Fraktions-Manager im Alltagsgeschäft, ist er aber in vielen einflussreichen Zirkeln dabei. Überall, zuvorderst im Koalitionsausschuss, melde er sich offensiv zu Wort, berichten Teilnehmer.
Übertriebene Demut wird ihm eh nicht vorgeworfen. Das Selbstbewusstsein steigt, weil all seine Lockerungs-Pläne so ähnlich leicht zeitversetzt Realität wurden. Er wolle „nicht für Unfrieden in der Koalition sorgen“, sagt Mehring, sondern seine „hoffentlich cleveren Vorschläge“ umsetzen. Das Parlament habe „die Rolle, Treiber zu sein“.
In seiner eigenen Fraktion eckt der promovierte Politikwissenschaftler seltener an. Zum stilleren Fraktionschef Florian Streibl ist das Verhältnis sehr eng; Streibl hatte den Neuling ja Ende 2018 in sein Amt gehievt und überlässt ihm oft Redezeit im Parlament. Während viele Kollegen ihre Beiträge vom Blatt runterstammeln, hat sich Mehring als freier, scharfer und schneller Redner Respekt verschafft.
Sein Verhältnis zu Vize-Ministerpräsident und Parteichef Hubert Aiwanger ist komplizierter. 2012 war Mehring als Vize der „Jungen Freien Wähler“ mit seinem kompletten Vorstand zurückgetreten aus Zorn unter anderem über Aiwangers Expansionskurs im Bund. Das ist lang her, der Kontakt ist jetzt eng und belastbar.
Loyalitäten auf ewig? Bei den sehr heterogenen Freien Wählern geht’s zwar noch lange nicht ums Aiwanger-Erbe, aber schon auch um Einfluss und Posten. Man solle Mehring nicht unterschätzen, sagt ein Kollege im Landtag. „Er ist mit viel Talent gesegnet und noch mehr Ehrgeiz.“ C. DEUTSCHLÄNDER