Der Fall Olof Palme wird zu den Akten gelegt

von Redaktion

Ermittler halten einen längst Verstorbenen für den Mörder des früheren schwedischen Regierungschefs

Stockholm – Die Ermordung Olof Palmes in Stockholm am 28. Februar 1986 versetzte die Welt in Aufruhr und hinterließ eine tiefe Wunde in der Seele der schwedischen Nation. Mehr als drei Jahrzehnte später haben die Ermittler jetzt einen Mann als mutmaßlichen Mörder des schwedischen Regierungschefs und international geschätzten Sozialdemokraten benannt, der selbst längst tot ist: Stig Engström, der im Jahr 2000 mit 66 Jahren starb. Damit wird der Fall Palme offiziell zu den Akten gelegt.

„Wir können feststellen, dass das hier eine der weltgrößten Polizeiermittlungen ist, die mit dem Mord an John F. Kennedy und dem Lockerbie-Attentat verglichen wird“, sagte Fahndungsleiter Hans Melander am Mittwoch in Stockholm. 22 430 Hinweise wurden verarbeitet und mehr als 10 000 Menschen verhört. 134 Personen sagten aus, Palme getötet zu haben.

Palme war von 1969 bis 1976 und von 1982 bis zu seiner Ermordung schwedischer Regierungschef. Im Inland setzte er sich für Gleichberechtigung und Reformen bei der Familienpolitik ein, international für Afrika und atomare Abrüstung. Er war Kritiker des Vietnamkriegs und pflegte enge Bünde mit dem ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt. Seine Positionen machten Palme viele Freunde, aber auch Gegner, die teils als mögliche Täter verdächtigt wurden.

Eine Spur führte zur kurdischen PKK, die von Palmes Regierung als Terrororganisation eingestuft worden war, eine nach Südafrika, dessen Apartheidsregime Palme scharf kritisierte. Auch von einer rechtsradikalen Verschwörung in der schwedischen Polizei war die Rede.

Stig Engström hatte sich am Tag nach der Tat selbst als Zeuge angeboten und seine Schilderungen auch im Fernsehen präsentiert. Als Verdächtiger galt er für die Polizei aber nie. Erst ab 2016, nach einem größeren Personalwechsel in den Ermittlungsbehörden, nahm man ihn ins Visier.

Die Ermittler seien das Material noch einmal durchgegangen, berichtete Melander. Dem zuständigen Staatsanwalt Krister Petersson zufolge stimmte Engströms Kleidung mit der überein, die der Täter laut Zeugen getragen hatte. Er hatte Zugang zu Waffen und soll Palmes Politik gehasst haben. Sein Arbeitsplatz lag ganz in der Nähe des Tatorts. Um 23.19 Uhr stempelte er sich aus, um 23.21 Uhr wurde Palme, der mit seiner Frau Lisbet auf dem Heimweg vom Kino war, von hinten erschossen.

Schwedens Regierungschef Stefan Löfven sagte am Mittwoch: „Meine innerste Hoffnung ist, dass die Wunde jetzt heilen kann.“ Palmes Sohn Mårten äußerte Verständnis für die Einstellung der Ermittlungen. „Ich glaube auch, dass Engström der Schuldige ist. Aber leider gibt es keinen richtig abschließenden Beweis, damit man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, dass er es gewesen ist.“  dpa/sr

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