München – Ein neuer Ausbruch in Peking – ausgerechnet in dem Land, von dem das neue Coronavirus seinen Zug um die Welt angetreten hat: Diese Nachricht hat viele aufgeschreckt und jetzt steigen auch noch die Fallzahlen. In der Sorge vor einer zweiten Welle ging eine Information fast unter: Der Virustyp, den man in China gefunden hat, war anders als der, der Ende 2019 dort zirkulierte – von einer „Mutation“ war die Rede.
Doch was heißt das? Mit einer „Mutation“ ist zunächst einmal einfach eine Veränderung des genetischen Bauplans gemeint. Solche Mutationen sind eher die Regel als die Ausnahme. Der Grund: Damit sich ein Virus vermehren kann, muss die befallene Wirtszelle das Erbgut des Erregers vervielfältigen. Dabei entstehen oft Kopierfehler. Zwar verändern die wenigsten davon die Eigenschaften des Virus. Doch: Je mehr Opfer ein Erreger findet, desto häufiger wird auch sein Erbgut kopiert – und desto eher kommt es dabei auch mal zu relevanten Veränderungen.
Das kennt man auch von vielen anderen Viren: Die Erreger der Influenza, der echten Grippe, verändern sich sehr schnell. So braucht es jedes Jahr sogar einen neuen Impfstoff, um die aktuell zirkulierenden Virustypen abzuwehren. Doch können sich Erreger auch zu unserem Vorteil verändern. So neigen Viren dazu, sich an ihren Wirt anzupassen. Oft werden sie dadurch harmloser.
Das könnte auf lange Sicht auch mit Sars-CoV-2 geschehen, das erst vor Kurzem den Sprung vom Tier zum Menschen geschafft hat. So könnten sich etwa genetische Veränderungen durchsetzen, die es dem Virus erlauben, noch besser übertragbar zu werden – etwa, indem es noch mehr in der Nase vervielfältigt wird, wie Prof. Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité kürzlich im NDR-Podcast erklärte. Das wäre auch für den Menschen ein Vorteil: „In der Nase werden wir nicht allzu krank davon“, sagte Drosten. „Das heißt: Das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert.“
Sicher ist das nicht. Zwar setzen sich für das Virus vorteilhafte Mutationen eher durch. Welche genetischen Veränderungen entstehen, ist aber vor allem eins: Zufall. So könnte das Virus auch gefährlicher werden – etwa, indem es „sein Replikationsniveau“ steigere. Der Erreger könnte sich dann also in allen Schleimhäuten schneller vervielfältigen – „und das würde dann auch die Lunge wieder mitbetreffen“, sagte Drosten. „Und wir fühlen uns schneller krank oder viel mehr von uns fühlen sich krank.“
Ein Nachteil also – einerseits. Denn gehen Menschen davon aus, dass sie es mit einem gefährlichen Erreger zu tun haben, werden sie vorsichtiger. Dann kann aus einer für den Erreger eigentlich vorteilhaften Mutation auf lange Sicht womöglich sogar eine nachteilige werden. Und: Viele Virusepidemien würden mit der Zeit harmloser, so Drosten. Dazu kommt eine steigende „Populationsimmunität“: Da mit der Zeit viele bereits infiziert waren, findet das Virus auch seltener neue Opfer. ANDREA EPPNER