2020 wird zum dritten Dürrejahr in Folge

von Redaktion

Leipziger Forscher: Böden vielerorts ausgetrocknet – Grüne warnen vor künftigen Wasserkonflikten

Berlin – Der Sommer hat gerade angefangen, doch schon jetzt stellt das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung fest: 2020 wird das dritte Dürrejahre in Folge werden. Selbst starke Niederschläge der letzten Tage und in der zweiten Jahreshälfte würden die Wasserdefizite aus den Trockenjahren 2018 und 2019 nicht mehr auffangen können. Die Grünen, die am Montag zahlreiche betroffene Fachverbände zum ersten Mal zu einem „Dürredialog“ eingeladen hatten, auf dem die Daten präsentiert wurden, forderten die Politik auf, das Thema ganz nach oben zu setzen.

In den Monaten März und April habe es deutschlandweit nur vier Prozent der durchschnittlichen Niederschläge gegeben; auch der Mai war zu trocken. Selbst wenn es viel regne, könne das Defizit so schnell nicht mehr ausgeglichen werden, so die Leipziger Forscher. Aus den Daten von 2500 Wetterstationen erstellt das Helmholtz-Zentrum täglich Karten (www.ufz.de). Daraus ergibt sich, dass die Böden vor allem in den östlichen Bundesländern, im Rheinland und in Oberbayern derzeit bis in 1,8 Metern Tiefe außergewöhnlich ausgetrocknet sind.

In Bayern gibt es allerdings ausreichend Reserven an Oberflächenwasser für die Landwirtschaft, im Osten Deutschlands hingegen vielerorts schon nicht mehr. Dort fehlen pro Quadratkilometer Ackerfläche derzeit 15 000 Kubikmeter, um den alten Grundwasserspiegel wieder herzustellen; man lebt schon von der Substanz. Bei der Oberflächenfeuchtigkeit bis 25 Zentimeter sind aktuell West-Niedersachsen und Vorpommern am trockensten.

Die Forscher erklärten, die Lage habe Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche. So steige in Dürresommern die Flusstemperatur auf 25 Grad und mehr – mit negativen Folgen für die Fischbestände, aber auch für Kraftwerke, die Kühlwasser brauchen. Niedrigwasser könne wie schon 2018 zu Einschränkungen der Binnenschifffahrt und damit zur Versorgung großer Industriekomplexe mit Öl und Rohstoffen führen. Die Waldbrandgefahr nimmt zu, der Ertrag der Felder hingegen ab.

Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, sagte zunehmende Nutzungskonkurrenzen voraus. Diese seien bei dem Fachtreffen zwischen den Vertretern der Landwirtschaft und der Wasserversorger schon deutlich geworden. Es drohten sogar Auseinandersetzungen um das Trinkwasser. „Die Politik muss sich dringend mit dem Thema auseinandersetzen“, meinte Krischer. „Man muss die Prioritäten in jeder Region neu austarieren.“

Die Leipziger Forscher mahnten neue Wege in der Wasserwirtschaft an. So müssten Talsperren stärker befüllt werden, um eine größere Rolle als Reservoirs spielen zu können. Sie könnten dann aber nicht mehr Überlaufbecken für die ebenfalls erwarteten vermehrten Starkregenereignisse sein. Hier gelte es, das Auffangen von Regenwasser durch Rückhaltesysteme und weniger Bodenversiegelung in den Städten zu verbessern.

Krischer betonte, man könne nicht jedes Jahr über neue Dürrehilfen reden, sondern müsse in der Agrar- wie in der Forstwirtschaft auch vorsorgend handeln. Etwa durch den Anbau dürreresistenter Bäume und Agrarkulturen. Zudem müsse es einen regionalen Wasserausgleich zwischen regenreicheren und trockeneren Regionen geben. „Wir brauchen eine systematische Dürrepolitik in allen Bereichen.“ WERNER KOLHOFF

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