München – Einkaufen ohne Maske, ein Fußballspiel im Stadion erleben, die Kinder sorglos in die Schule schicken: Ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 könnte all das wieder ermöglichen. Die Forschung dazu läuft auf Hochtouren. Auch hierzulande werden bereits zwei Impfstoff-Kandidaten an Menschen getestet – und einer davon auch bald in München.
„Erste Interessenten haben wir schon“, sagt Dr. Arne Kroidl, Prüfleiter der CureVac-Studie am Tropeninstitut des Klinikums der Universität (LMU) München. Das Institut ist eines von vier Zentren, an denen der Impfstoff der Tübinger Firma „CureVac“ getestet wird. „Der erste Proband wurde am Freitag in Tübingen geimpft“, sagt Kroidl. „In rund zwei Wochen wird es auch bei uns in München so weit sein.“
Die Vorbereitungen laufen: Das Gesundheitreferat München verschicke bereits Briefe an alle Covid-19-Genesenen – mit der Bitte, sich für Studien zu melden, erklärt Prof. Michael Hölscher, Leiter des Tropeninstituts. Primär geht es darum, rund 2000 Probanden für eine Studie zu gewinnen, die zeigen soll, wie lang die Immunantwort anhält. Denn erste Berichte aus China zeigten, dass diese schon nach wenigen Monaten stark abfällt. Auch Teilnehmer für die neue Impfstoff-Studie wolle man so finden. In München kann nur teilnehmen, wer schon mit dem neuen Coronavirus infiziert war. Hier solle vor allem die Frage geklärt werden, ob und wie sich die Immunantwort durch eine Impfung verändern und verbessern lasse.
Die Impfstoff-Sudie ist eine von vielen Untersuchungen, die am Institut laufen. Hierfür werden insgesamt 30 Teilnehmer aus dem Raum München gesucht. Mitmachen kann, wer zwischen 18 und 60 Jahren alt ist, mit Sars-CoV-2 infiziert war, inzwischen aber genesen und sonst gesund ist. Interessierte können sich per E-Mail an das Tropeninstitut wenden: Covid19-Impfstudien@med.uni-muenchen.de.
Im Studienzentrum werden Interessenten unter anderem über Ablauf und Risiken informiert. In einem zweiten Termin folgt die erste Impfung. Danach werden Probanden vier Stunden lang in der Klinik überwacht – und bekommen eine Telefonnummer, unter der sie rund um die Uhr einen Arzt erreichen. „Für alle Fälle“, sagt Kroidl. Die Teilnehmer müssen notieren, ob und welche Beschwerden sie haben. Vor allem in den ersten Wochen werden zudem mehrmals Blutproben genommen. Diese würden etwa auf Antikörper und Immunzellen hin untersucht. Nach einem Monat folge die zweite Impfung. Ein Teil der Probanden erhält zum Vergleich jeweils nur eine Kochsalzlösung statt des Impfstoffs. Wer welche Spritze erhält, erfahren weder Teilnehmer noch Studienärzte.
In dieser ersten Phase gehe es vor allem darum, die Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs zu prüfen und die richtige Dosierung zu finden, erklärt Hölscher. Insgesamt werde die Studie aber 13 Monate dauern. Denn geprüft werden soll in der Studie nicht nur, ob ein Immunschutz entsteht und wie gut dieser ist, sondern auch wie lange der erhalten bleibe. Im Herbst könnte dann parallel schon die nächste Phase starten – wohl mit mehr als 1000 Probanden in München, darunter auch Nicht-Infizierte.
Wird der Impfstoff zugelassen, wird das ein doppeltes Novum: Noch ist kein Vakzin auf dem Markt, das wie der „CureVac“-Impfstoff auf dem Biomolekül „mRNA“ basiert. Dieses liefert nur die Bauanleitung für ein Eiweiß, das der Körper selbst herstellen muss, um solch eine Immunantwort anzustoßen – in diesem Fall ist es das „Spike-Protein“, mit dem das Coronavirus in menschliche Zellen eindringt. Im Erfolgsfall lasse sich ein solcher Impfstoff schnell in Massen herstellen, nennt Hölscher den Vorteil.
Von Infektionen mit anderen Coronaviren weiß man aber: Der natürliche Immunschutz hält oft nur eineinhalb Jahre. Hölscher dämpft daher zu hohe Erwartungen. „Ideal wäre natürlich, wenn der Impfstoff eine Infektion verhindern kann. Wahrscheinlicher ist aber, dass er zwar nicht sicher vor einer Ansteckung schützt – aber vor einem schweren Verlauf.“