Antikörpertests: Zeitpunkt entscheidend

von Redaktion

Analyse dutzender Studien weltweit belegt: Je früher, desto ungenauer

München – Antikörpertests spielen eine wichtige Rolle, um eine überstandene Covid-19-Erkrankung zu erkennen. Allerdings ist dafür der Zeitpunkt, an dem sie durchgeführt werden, entscheidend. Verknappt ausgedrückt bedeutet das: Je früher getestet wird, desto ungenauer fallen die Ergebnisse aus. Das belegt jetzt eine Cochrane-Analyse, in der 54 von 11 000 Publikationen zu Covid-19 weltweit ausgewertet wurden.

Konkret schreiben die Forscher: „In der ersten Woche nach dem Beginn von Krankheitssymptomen sind die Antikörper-Titer zu niedrig, um sie für einen Nachweis von Covid-19 zu verwenden. Zwei oder mehr Wochen nach Beginn der Symptome sind die Tests beim Nachweis von Sars-CoV-2 zuverlässiger.“ Angaben zufolge konnten im erstgenannten Zeitraum, sprich acht bis 14 Tage nach Beginn der Symptome, „nur“ 70 Prozent der Personen, die Covid-19 hatten, korrekt identifiziert werden. Zum späteren Zeitpunkt, zwischen 15 und 35 Tagen nach Auftreten der ersten Symptome, seien es mehr als 90 Prozent gewesen. Den Wissenschaftlern zufolge gebe es aber noch nicht genügend Studien, um die Sensitivität von Antikörpertests für Zeiträume ab 35 Tagen abzuschätzen. Die Sensitivität gibt an, bei welchem Anteil der Menschen, die Covid-19 hatten, besagte Tests dies auch anzeigen.

Jon Deeks, Professor für Biostatistik und Leiter der Forschungsgruppe für Testauswertung an der Universität Birmingham, sagt: „Das Timing ist bei der Anwendung dieser Tests von entscheidender Bedeutung. Wenn man sie zum falschen Zeitpunkt einsetzt, funktionieren sie nicht!“ Diese ersten Covid-19-Antikörpertests zeigten zwar Potenzial, insbesondere wenn sie zwei oder drei Wochen nach dem Auftreten der Symptome eingesetzt werden, aber die Daten stammten fast alle von Patienten in Krankenhäusern, „sodass wir nicht exakt wissen, wie genau sie Covid-19 bei Menschen mit leichten oder keinen Symptomen – oder mehr als fünf Wochen nach dem Auftreten der Symptome identifizieren“.

Der sogenannte Review fasst allerdings „nur“ die bis Ende April verfügbaren Forschungsergebnisse zusammen, darunter zahlreiche „Preprints“, also Studien, die noch nicht von anderen Fachkollegen begutachtet wurden. Dr. Jac Dinnes, der mit dem Team der Universität Birmingham an der Überprüfung arbeitete, mahnt: „Das Design, die Durchführung und die Berichterstattung von Studien über die Genauigkeit von Antikörpertests müssen erheblich verbessert werden. Die Studien müssen ihre Ergebnisse danach aufschlüsseln, nach welcher Zeit seit dem Auftreten der Symptome die Blutproben genommen wurden.“

Erst am Mittwoch hatte eine Antikörper-Studie der Medizinischen Universität Innsbruck ergeben, dass 42,4 Prozent der Bürger Ischgls mit dem Coronavirus infiziert waren. Die Sterblichkeit bei Covid-19 lag dort bei 0,26 Prozent – also entsprechend niedrig. Vor dem Hintergrund der aktuellen Cochrane-Analyse ist es jedoch denkbar, dass sogar noch mehr Bürger infiziert waren – und somit die Sterblichkeitsrate geringer ausfällt.

BARBARA NAZAREWSKA

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