USA: 40 000 Infektionen an einem Tag

von Redaktion

VON D. HUTZLER, E. RAPPOLD UND F. DIEDERICHS

Washington/Lissabon – Mit rund 40 000 gemeldeten Fällen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA einen neuen Höchststand erreicht. Damit ist der bisherige Rekordwert von rund 36 400 Neuinfektionen vom 24. April überstiegen, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Noch vor zwei Wochen lagen die täglich gemeldeten Infektionszahlen bei etwas mehr als der Hälfte dieses Wertes.

Präsident Donald Trump spielte die steigenden Fallzahlen herunter. „Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle“, sagte Trump in einem Interview bei Fox News. Die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt. Trumps Einschätzung zufolge geht darauf die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA zurück.

Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt jedoch, dass nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. „Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen“, sagte CDC-Direktor Robert Redfield. Die meisten renommierten Experten machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten für die Zahlen verantwortlich.

Angesichts der dramatischen Entwicklung planen einige Bundesstaaten daher, angekündigte Lockerungen vorerst nicht umzusetzen. Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge betrifft das Texas, Arizona, Florida oder New Mexico. Alleine in Texas sei ein neuer Rekord von 6000 neuen Fällen binnen 24 Stunden erreicht worden. Die Kapazitäten der Krankenhäuser seien wieder am Limit. Im bevölkerungsreichen Kalifornien stieg die Zahl der am Virus erkrankten Krankenhaus-Patienten in nur zwei Wochen um 32 Prozent. Und die CDC warnte vor einem „schrecklichen Herbst“. Dann könnten die gewöhnliche Grippe und die Corona-Erkrankungen parallel einen neuen Höhepunkt erreichen.

Der US-Milliardär Bill Gates kritisierte die Regierung für ihr Vorgehen in der Corona-Krise. Die USA habe „nicht einmal annähernd“ genug getan, um die Epidemie zu bekämpfen, sagte der Microsoft-Gründer bei einer Veranstaltung des Senders „CNN“. Es werde zu wenig getestet, zu wenige Kontakte nachverfolgt und zu wenige Masken getragen. Selbst im Umfeld des Präsidenten soll das so sein: Unter Beamten des Secret Service, die Trump bei seinen Auftritten schützten, machen sich derzeit ebenfalls Neuinfektionen breit.

Am Donnerstagabend war zudem bekannt geworden, dass das US-Justizministerium den Obersten Gerichtshof zur Abschaffung von „Obamacare“ aufgefordert hat. Präsident Trump hatte die von seinem Vorgänger Barack Obama eingeführten Erweiterungen der Krankenversicherung mehrmals als „Desaster“ kritisiert und für ihre Aufhebung plädiert.

Anzeichen für eine zweite Welle gibt es indes auch in Europa. Wegen einer Zunahme der Corona-Infektionen müssen weite Teile des Großraums Lissabon am 1. Juli zwei Wochen lang wieder in den Lockdown. Das gab der portugiesische Ministerpräsident António Costa bekannt. Die Bewohner der 19 betroffenen Gemeinden im Großraum der Hauptstadt werden nur noch aus dem Haus gehen dürfen, um Einkäufe zu tätigen, zur Arbeit zu fahren oder einen Arzt aufzusuchen.

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