Die Maske wird lange nicht fallen

von Redaktion

VON MARC BEYER

München – Angela Merkel trägt dunkles Blau. Die Farbe hat den Vorteil, dass sie zu nahezu allem passt, ob zum Türkiston am Donnerstag oder zum lachsfarbenen Jackett am Freitag. Dunkelblau geht immer. Auch als Mund-Nasen-Schutz.

Die Bundeskanzlerin trägt jetzt also Maske. Das wäre in Corona-Zeiten eigentlich keine große Nachricht, nicht mal bei Politikern. Im Laufe der Monate hat man etliche Volksvertreter mit einem Stück Stoff vor dem Mund gesehen, manche agierten offensiver, andere etwas verschämter. Aber Angela Merkel und Maske, das gehörte bei öffentlichen Anlässen partout nicht zusammen. Auf Anfrage gab das Bundespresseamt die knappe Antwort, sie halte sich im Dienst an alle Abstandsregeln.

Seit Donnerstagabend ist das anders. In der Berliner Landesvertretung Sachsen-Anhalts posierte die Kanzlerin an der Seite des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, für die Fotografen. Alles an diesem Bild war sorgsam komponiert. Die typische Rautenhaltung der Finger, das Wappen Sachsen-Anhalts auf Haseloffs Mund-Nasen-Schutz, das Logo der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf Merkels Maske. Auch am nächsten Morgen im Bundesrat trug sie ihr neues Accessoire.

Zufälle gibt es bei ihr nicht. Nur einen Tag vor der Premiere übernahm Deutschland den EU-Ratsvorsitz, der im Zeichen der Corona-Krise steht. Die Kanzlerin wird in den nächsten sechs Monaten auch international noch mehr Blicke auf sich ziehen. So penibel sie über Monate darauf achtete, in der Öffentlichkeit nicht mit Schutz abgelichtet zu werden, so erkennbar ist sie jetzt um eine Botschaft bemüht: Masken schützen.

Mehr noch: Immer deutlicher wird, dass das Textil der Schlüssel ist, um trotz aller Lockerungen möglichst unbeschadet die Pandemie zu überstehen, bis es irgendwann einen Impfstoff gibt. Schon die Marke Eigenbau hilft. Ein Forscherteam der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DPG) untersuchte die Wirkung von Alltagsmasken und kam zu dem Ergebnis, dass der Träger seine Umwelt nachweislich schützt, ein Selbstschutz sei ebenfalls wahrscheinlich. Der Ausstoß von Aerosolen, feinsten Tröpfchen in der Atemluft, werde erheblich eingedämmt, in Kombination mit einem Sicherheitsabstand von anderthalb Metern sei der Effekt groß.

„Die Maske ist ein ganz wichtiges Instrument“, sagt Dominic Dellweg, einer der Autoren der Studie. Es hat in den vergangenen Monaten viele Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung gegeben, große und ganz große, von Kontaktsperren bis zur Schließung von Kitas und kompletten Betrieben. Verglichen damit sei der Mund-Nasen-Schutz ein kleines Mittel mit enormer Wirkung, argumentiert Dellweg. Es mache wissenschaftlich und wirtschaftlich Sinn, aber auch in der persönlichen Befindlichkeit: „Das Paket Abstandhalten plus Maske ist wenig schmerzhaft. Und wo es eingehalten wird, da scheint es zu funktionieren.“

Während in anderen Ländern, etwa in den USA oder Brasilien, das Tragen einer Maske die Gesellschaft spaltet und das Stückchen Stoff nicht selten als Zeichen der Verwundbarkeit überhöht wird, ist die Akzeptanz in Deutschland vergleichsweise hoch.

Auch Angela Merkel hat in der Vergangenheit schon mehrfach betont, dass sie beim privaten Einkauf selbstverständlich einen Schutz trage. Aber „dann treffen wir uns nicht, offensichtlich“, entgegnete sie noch am Montagabend sehr heiter einer Journalistin, die sich über das Fehlen entsprechender Bilder gewundert hatte. Der nachfolgende Satz der Bundeskanzlerin bekommt im Nachhinein einen tieferen Sinn: „Es wird auch andere Gelegenheiten gebe, wo ich sicherlich noch mit Maske zu sehen sein werde.“

Die Auflösung der Masken:

1. Reihe: Markus Söder, Sebastian Kurz, Ilse Aigner.

2. Reihe: Heiko Maas (bei einem Besuch in Italien), Angela Merkel, Armin Laschet.

3. Reihe: Anthony Fauci, Robert Habeck, Winfried Kretschmann.

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