München – Nach der Umwandlung des Istanbuler Wahrzeichens Hagia Sophia in eine Moschee droht Griechenland der Türkei mit Konsequenzen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe einen „historischen Fehler begangen“, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. Die EU, Russland und die USA nannten die Entscheidung bedauerlich. Die russisch-orthodoxe Kirche zeigte sich entsetzt.
Ungeachtet der Kritik begannen die Vorbereitungen für eine Nutzung der Hagia (Aussprache: Aja) Sophia als Moschee. Am 24. Juli soll die einstige Kirche, die 86 Jahre lang ein Museum war, für das islamische Gebet geöffnet werden. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am Freitag den Status der Hagia Sophia als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet als Moschee zu öffnen. Erdogan nannte dies eine „Auferstehung“. Papst Franziskus sagte dagegen: „Meine Gedanken gehen nach Istanbul. Ich denke an die Hagia Sophia. Ich bin sehr bekümmert.“
Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, kritisierte die Umwandlung. „Die Hagia Sophia ist Welterbe und ein Symbol friedlichen Zusammenlebens der Religionen. Dass man daraus eine Moschee macht, ist eine absolute Fehlentscheidung“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Türkei wird nun als das Land verurteilt werden, das mit so einem Erbe nicht umgehen kann.“ Sofuoglu verwies darauf, dass viele Menschen auch wegen der Hagia Sophia nach Istanbul kämen und dies nun wohl nicht mehr täten.
Im vergangenen Jahr zog die Hagia Sophia nach offiziellen Angaben 3,7 Millionen Besucher an und war damit das meistbesichtigte Museum in der Türkei. Der Eintritt von 100 Türkischer Lira (rund 13 Euro) fällt nach Angaben von Erdogan in Zukunft weg.
Weil die Hagia Sophia eine so große Bedeutung für die Orthodoxie hat, kamen die deutlichsten Reaktionen aus Griechenland und Russland. Metropolit Ilarion vom Moskauer Patriarchat sprach im russischen Staatsfernsehen von einem Schlag. „Für alle orthodoxen Christen auf der Welt ist die Hagia Sophia ein wichtiges Symbol, wie der Petersdom in Rom für die Katholiken.“ Die Umwidmung werde die Beziehung der Türkei zur christlichen Welt beeinflussen.
Russlands Vize-Außenminister Alexander Gruschko sagte, er erwarte nun von der Türkei, das Gebäude zu schützen, zu erhalten und weiter öffentlich zugänglich zu lassen: „Ich hoffe sehr, dass alle Verpflichtungen (…) vollständig umgesetzt werden.“ Der EU-Außenbeauftragte Josep Borell nannte die türkische Entscheidung ähnlich wie die USA bedauerlich.
„Griechenland verurteilt dieses Verhalten Erdogans und wird alles tun, was es kann, damit es Konsequenzen für die Türkei gibt“, sagte Regierungssprecher Petsas am Samstag. Details nannte er nicht. Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Erdogans Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. » KOMMENTAR