Tel Aviv – Nach einem starken Anstieg der Corona-Infektionen setzt Israels Regierung erneut auf Lockdown-Maßnahmen. Einem Kabinetts-Beschluss zufolge gelten die Regelungen künftig an Wochenenden. Ausgangsbeschränkungen soll es vorerst nicht geben, dafür müssen Geschäfte, Einkaufszentren, Freiluftmärkte, Büchereien, Museen und Touristenattraktionen geschlossen bleiben. Ausgenommen sind Lebensmittelläden und Apotheken. Strände müssen schließen.
Das Kabinett beschloss zugleich längerfristige Restriktionen. So gibt es fortan wieder Einschränkungen für Versammlungen und Restaurants. Von führenden Oppositionspolitikern wurden die Maßnahmen scharf kritisiert. Einem Bericht der Nachrichtenseite „ynet“ zufolge wollen sich einige Restaurantbesitzer nicht an die neuen Regelungen halten.
Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus war am Mittwoch in Israel auf ein Rekordhoch gestiegen. Nach aktualisierten Zahlen vom Freitag wurden für den Tag 1862 Fälle gemeldet, die Zahlen für Donnerstag lagen leicht darunter. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, man unternehme alles, um einen generellen Lockdown zu verhindern. Aber: „Es bleiben nicht viele Möglichkeiten, es ist keine normale Situation.“
Auch Versammlungen von mehr als zehn Personen in geschlossenen Räumen und mehr als 20 Personen im Freien sind untersagt. Ob dies auch für Religionsgemeinschaften gilt, blieb unklar. Zu den Maßnahmen zählt auch die Schließung von Fitnessstudios. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen oder zur Lieferung nach Hause anbieten. Oppositionsführer Jair Lapid kritisierte das Vorgehen der Regierung scharf. „Ein ganzes Land versucht die Wochenend-Richtlinien zu verstehen, aber es schafft es nicht.“ Die Regierung habe das Vertrauen der Bevölkerung verloren.
Netanjahu hatte zu Beginn der Pandemie mit strikten Maßnahmen wie einem Lockdown und Ausgangsbeschränkungen auf die Krise reagiert. Mitte Mai lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen im niedrigen zweistelligen Bereich. Nach umfassenden Lockerungen schnellen die Zahlen jedoch seit Ende Mai in die Höhe. Netanjahu steht zunehmend unter Druck, Experten kritisieren vorschnelle Corona-Erleichterungen.