Weltweit mehr als 600 000 Corona-Tote

von Redaktion

Berlin/Baltimore – Kanzleramtschef Helge Braun hat eine positive Bilanz der aktuellen Corona-Lage in Deutschland gezogen, zugleich aber zur Vorsicht gemahnt. „Derzeit kann man sagen: Wir haben Corona in Deutschland im Griff“, sagte der CDU-Politiker. „Aber das ist eine Momentaufnahme – das Virus ist nach wie vor im Land, es kann immer wieder zu Ausbrüchen kommen.“ Ärztepräsident Klaus Reinhardt mahnte Urlauber wegen des Risikos einer zweiten Corona-Welle in Deutschland zu besonderer Vorsicht.

Braun sagte, dass Veranstaltungen mit gutem Hygienekonzept und Abstand zwischen den Besuchern „auch mit einer größeren Zahl an Zuschauern“ stattfinden könnten – besonders in der Kultur. Braun hält auch eine Rückkehr der Fans in die Fußball-Stadien für möglich. Zugleich warb er für die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen. Erst wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus da ist, werde man zum Normalzustand zurückkehren können. „Ich bin optimistisch, dass wir Anfang des Jahres einen sicheren Impfstoff haben. Aber versprechen kann das niemand.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich irritiert über Brauns Äußerungen: „Es muss uns im Herbst erst einmal gelingen, den Schulbetrieb zu organisieren und eine zweite Welle zu verhindern“, sagte er. Falls das wirklich zuverlässig geklappt hat, kann über Fußball und Theater nachgedacht werden.“ Er selbst sei nicht optimistisch für den Herbst.

Wie sensibel der Umgang mit der Corona-Krise nach wie vor ist, zeigt ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen, über das der WDR berichtete. Eine Hochzeitsfeier in einem größeren Familienverband hat die Corona-Infektionen im Kreis Mettmann in die Höhe schnellen lassen. In den Ortschaften Langenfeld und Monheim stieg die Zahl der infizierten Personen plötzlich auf insgesamt 46. Eine Kreissprecherin betonte, dass sich möglicherweise nicht alle Infizierten auf der Feier angesteckt hätten. Es könnten sich auch nach der Hochzeit noch Menschen aus dem familiären Umfeld angesteckt haben.

Deshalb seien neben den Betroffenen in Langenfeld derzeit 56 Menschen in Quarantäne, in Monheim 77. Das Kreisgesundheitsamt habe die Kontaktverfolgung noch nicht abgeschlossen. Es kann deshalb in den kommenden Tagen noch zu weiteren Corona-Fällen in Zusammenhang mit der Feier kommen. Wie viele Menschen auf der Hochzeitsfeier zusammen gefeiert haben, konnte die Sprecherin nicht sagen. Insgesamt meldet der Kreis Mettmann 136 aktuell Infizierte.

Deutlich düsterer sieht die Corona-Situation global aus: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind US-Wissenschaftlern zufolge weltweit bereits mehr als 600 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das ging gestern aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Inzwischen gibt es demnach bereits mehr als 14,2 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Angesichts steigender Corona-Todeszahlen haben mehrere US-Bundesstaaten Kühlwagen für Covid-19-Tote bestellt. In Texas und Arizona gaben die Behörden wegen drohenden Platzmangels in Leichenhallen und Krematorien Bestellungen auf, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Die Johns-Hopkins-Universität meldete am Samstagabend mehr als 60 200 neue Corona-Fälle innerhalb von 24 Stunden.

Erst vor drei Wochen war die Schwelle von einer halben Million Toten und 10 Millionen bestätigten Infektionen überschritten worden. Seither hat sich die Pandemie unter anderem in den USA, Brasilien, Peru, Mexiko, Indien und Südafrika weiter rasch ausgebreitet.

Etwa ein Viertel der weltweit bestätigten Infektionen und Todesfälle entfallen Johns Hopkins zufolge auf die USA, ein Land mit rund 330 Millionen Einwohnern. An zweiter Stelle steht Brasilien mit gut 2 Millionen bekannten Infektionen und rund 79 000 Todesfällen.

Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten jedoch in einigen europäischen Ländern höher. In den USA etwa starben gut 42 Menschen pro 100 000 Einwohner, in Brasilien 37. In Großbritannien liegt dieser Wert jedoch bei 68, in Italien bei 58 und in Schweden bei 55 – in Deutschland bei 11. Insgesamt starben in Deutschland etwas mehr als 9000 Infizierte. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag bei 1,42 (Vortag: 1,25).

Artikel 9 von 11