„Netanjahu hat Kontrolle verloren“

von Redaktion

Israel: Oppositionschef fordert Rücktritt – Streik in Kliniken

Jerusalem – Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid hat den Rücktritt von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gefordert. „Er hat die Kontrolle verloren“, sagte Lapid gestern. Er warf dem 70-Jährigen Versagen in der Corona-Krise vor.

Der Likud-Politiker wurde zu Beginn der Pandemie für sein Krisenmanagement gelobt. Nach Lockerungen und einem starken Anstieg der Infektionen steht Netanjahu inzwischen aber stark in der Kritik. Die Arbeitslosenquote liegt bei 21 Prozent. Die Regierung hat ein Hilfspaket für die heimische Wirtschaft, Einmalzahlungen für die Bürger und neue Restriktionen auf den Weg gebracht. Aus Sicht von Kritikern sind die Maßnahmen entweder ungenügend oder fehlgeleitet. Tausende Demonstranten hatten am Wochenende in Tel Aviv und Jerusalem Netanjahus Rückzug gefordert.

Druck auf Netanjahu kommt auch aus dem medizinischen Bereich. Mitten in der Corona-Krise sind die Krankenschwestern und Pfleger gestern in den Streik getreten. Sie wollen damit gegen den Pflegenotstand protestieren, der durch die Pandemie noch verschärft wurde. Ein nächtlicher Verhandlungsmarathon mit dem Finanzministerium über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen war zuvor gescheitert. Die „Times of Israel“ schrieb, die Notfallversorgung sowie die Versorgung von Corona-Patienten sollten trotz des Streiks gewährleistet bleiben.

In israelischen Krankenhäusern herrscht ein starker Personalmangel. Außerdem seien gegenwärtig rund tausend Krankenschwestern und -pfleger in Corona-Quarantäne, berichtete das israelische Fernsehen. Tage in Quarantäne würden als Krankentage angerechnet. Auch dagegen protestierte das Pflegepersonal. In Israel streiken bereits seit mehreren Wochen auch die Sozialarbeiter.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus schnellt seit Ende Mai immer weiter in die Höhe.

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