Frankfurt – Nach den nächtlichen Krawallen in Frankfurt und Stuttgart plädiert die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), für eine zurückhaltende Polizeistrategie. Die Polizei sollte „den Weg der Deeskalation gehen“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es gehe ja vor allem um eine Gruppe von Menschen, die unzufrieden sind, weil sie wegen Corona nicht feiern können: „Da hat sich Frust angestaut und auch Hass auf Behörden und die sogenannte Obrigkeit.“ Rheinland-Pfalz habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Sperrstunden von Kneipen aufzuheben. „Bei uns hat das die Lage beruhigt und zeigt deeskalierende Wirkung.“
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält hingegen die jüngsten Ausschreitungen für die Folge eines über Jahre zu weichen Vorgehens der Polizei. Er sagte der „Rheinischen Post“: „Wir müssen unsere Werte, unsere Regeln bereits im Kleinen durchsetzen.“ Wenn das über Jahre nicht geschehe, „wenn man in kleinen Gruppen lärmend im Park sitzen und Alkohol trinken und Drogen nehmen kann und nie einer kommt und sagt, dass Schluss ist, dann werden aus 50 Leuten 500 oder mehr“.
Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster forderte „eine andere Politik der inneren Sicherheit“ insbesondere in Städten. „Die verharmlosend tolerante urbane Wohlfühlpolitik in diesen Großstädten führt dazu, dass Täter kaum noch Sanktionen zu spüren bekommen und immer respektloser werden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. In Frankfurt blieb es am Wochenende friedlich. Nach den Ausschreitungen eine Woche zuvor hatte die Stadt für den Opernplatz ein Betretungsverbot ab Mitternacht verhängt.