Bayern rüstet sich für Pflicht-Tests

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER, SARAH  BRENNER UND C. DEUTSCHLÄNDER

München – Es ist Montagmittag, kurz nach halb zwölf am Flughafen München. Vor ein paar Minuten ist eine Maschine aus Palma de Mallorca gelandet. Ein voller Flieger – darunter auch Familie Sitner. Zehn Tage lang haben sich die vier die spanische Sonne auf die Nase scheinen lassen. „Jetzt hat uns der Alltag wieder“, sagt Papa Alexander. Doch mit der Ankunft kam die Unsicherheit. „Haben wir uns im Urlaub womöglich angesteckt? Was, wenn wir das Virus in uns tragen?“

In der Wartehalle wurde die Familie hellhörig. Draußen im Forum, schallte es aus den Lautsprechern, gebe es kostenlose Tests. Die Familie nahm das direkt in Anspruch. „Das ist überhaupt keine große Sache, in zehn Sekunden war der Test gemacht“, erzählt Alexander Sitner. „Jetzt hoffen wir, dass wir alle gesund sind.“

Wenn es nur immer so einfach ginge, wäre die Politik ein großes Problem los. Sich freiwillig testen zu lassen, ist vorbildlich. Seit Samstag haben das 1340 Rückkehrer am Flughafen genutzt, noch war jeder Test negativ. Doch bei Reisenden, die keine Lust auf Tests haben und auch keine Symptome, kann die Politik Tests bisher nicht erzwingen. Wer aus sogenannten Risikogebieten einreist, muss zwar formal eine Quarantäne einhalten, überprüft wird das aber kaum. Genau hier drohen aber nach der Einschätzung von Experten unerkannte Infektionen. Es mag keiner die Länder so gern offen benennen, aber im Kern geht es auch oft um Reisende mit Migrationshintergrund, die in der Türkei oder in den Balkanstaaten waren und dort Familie getroffen haben.

Seit Wochen, während in halb Deutschland schon die Urlauber losziehen, wird deshalb darüber beraten, ob nicht doch Pflicht-Tests möglich wären. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das zumindest versuchen. „Wir müssen verhindern, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere anstecken und so neue Infektionsketten auslösen“, sagte der CDU-Politiker. Grundlage der Testpflicht ist demnach eine Regelung des Infektionsschutzgesetzes.

Vorangegangen war deutlicher Druck aus Bayern und NRW. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte vom Bund, eilig das Infektionsschutzgesetz „unbedingt und so schnell wie möglich“ so zu ändern, dass Pflicht-Tests möglich werden. Sogar im Kanzleramt signalisierte Minister Helge Braun, gelernter Arzt, seine Unterstützung. Die freiwillige Testung habe Grenzen, sagt der CDU-Minister. Meistens seien es „die fürsorglichen Menschen, die sich auch im Urlaub ohnehin sehr vorsichtig verhalten haben, die freiwillige Angebote wahrnehmen“.

Im Hintergrund geht es um rechtliche Details, aber auch um die Finanzierung. Bayern will sich von diesen Bedenken nicht bremsen lassen. Söder kündigt an, sofort weitere Teststationen aufzubauen. „Wir versuchen, uns maximal darauf vorzubereiten.“ Statt nur an den Flughäfen München und Nürnberg soll es die Test-Option bald auch an den Hauptbahnhöfen der beiden Städte geben, außerdem an den großen Straßen in Grenznähe zu Österreich bei Walserberg, Pocking und Kiefersfelden. Die Tests sollen kostenlos sein und „noch nicht verpflichtend“, ausdrücklich „auch für Nicht-Bayern“, sagt Söder. Er verlangt zudem, dass die Risikogebiete neu überprüft werden – dann könnten in Europa nicht nur ganze Länder, sondern auch einzelne Regionen so eingestuft werden. „Corona kommt schleichend zurück“, warnt er, „leider aber mit aller Macht.“

Am Flughafen strömen derweil weitere Test-Personen ins Zelt. Auch Studentin Marcia Tetzla (23), die vier Tage in Madrid unterwegs war, meldet sich freiwillig. „Der Rachenabstrich war zwar nicht gerade angenehm“, sagt sie, „das Stäbchen kratzt ganz schön im Hals – aber absolut auszuhalten.“

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