Welle der Gewalt erschüttert die USA

von Redaktion

Viele Bürger fühlen sich angesichts der Unruhen und Pandemie in den großen Metropolen nicht mehr sicher

Austin/Washington – Der 30-jährige Garrett Foster machte aus seinem Hass gegen Polizisten keinen Hehl. „Wunderbar“, schrieb er kürzlich auf Facebook, als in der Stadt Portland nach Laser-Attacken von Demonstranten mindestens drei Cops für immer ihr Augenlicht verloren. „Sie sind doch nur Cops. Das zählt nicht.“ Am Wochenende ging der zum radikalen Flügel der „Black Lives Matter“-Bewegung zählende Aktivist in der texanischen Stadt Austin auf die Straße, um zu protestieren. Foster trug ein Schnellfeuergewehr des Typs AK-47. Im Laufe einer Fahrbahn-Blockade kesselte eine Gruppe von Demonstranten einen Autofahrer ein und begann, auf den Wagen einzuschlagen. Foster richtete – wie Fotos zeigen – sein Gewehr auf ihn. Der Mann am Steuer zog eine Pistole und feuerte fünf Schüsse ab. Foster starb in einer Klinik. Ob der Autofahrer angeklagt wird, ist fraglich. Denn in Texas gilt das „Castle“-Gesetz: Wer in einem Fahrzeug um sein Leben fürchtet, darf sich mit tödlicher Gewalt verteidigen.

Blutige Vorgänge wie diese zeigen, wie die einst weitgehend friedlichen Demonstrationen nach dem Tod des Schwarzen George Floyd durch eine Straßenkampf-Mentalität ersetzt worden sind, bei denen auf Leib und Leben kaum noch Rücksicht genommen wird. Sowohl aufseiten von „Black Lives Matter“ und der linksradikalen Antifa-Bewegung wie auch bei Ordnungshütern und Bürgern ist aufgerüstet worden.

In der Stadt Minneapolis, wo Floyd vor zwei Monaten zu Tode kam, patrouillieren Cops in manchen Bezirken schon gar nicht mehr, sondern überlassen das einer Bürgerwehr aus bewaffneten afro-amerikanischen Anwohnern. In der Pazifik-Metropole Seattle feuerten am Samstag Demonstranten Feuerwerkskörper in Gesichtshöhe gegen Polizisten ab. 21 Cops wurden verletzt, während sie verhinderten, dass ihr Revier in Brand gesetzt wurde. Und in Portland gab es erneut Versuche eines radikalen Mobs, in ein Gericht einzudringen, das seit Wochen von einer Spezialtruppe geschützt wird, die US-Präsident Trump in Marsch gesetzt hatte.

Zu den Kuriositäten dieser politisch hochbrisanten Situation zählt, dass sich die Stadtväter von Portland, aber auch führende Demokraten in Washington auf die Seite der Rädelsführer stellen. Verschwiegen wird dabei allerdings gerne, dass die örtliche Polizei vom demokratischen Bürgermeister Ted Wheeler die Anweisung erhalten hatte, Demonstranten nicht zu behelligen und auch bei Brandstiftungen und Plünderungen nicht tätig zu werden, weil dies die Randalierenden weiter provozieren könnte. In dieses Sicherheits-Vakuum ist nun Trump mit seiner „Recht und Ordnung“-Offensive gestoßen und ist dabei, auch in andere Metropolen Polizisten zu entsenden, um die dramatisch gestiegene Kriminalitätsrate zu bekämpfen.

Diese Krisenlage hat noch andere Konsequenzen. Die USA erleben aufgrund der Unruhen eine nie zuvor gesehene Stadtflucht, die durch die dramatische Corona-Krise, die zweite Welle an Infektionen und den Wunsch nach größerer Distanz noch verstärkt wird. Vor allem Immobilienmakler in ländlichen Regionen profitieren davon.

Ein Makler im nur spärlich bevölkerten Bundesstaat Montana berichtet, er habe auf ein Haus innerhalb weniger Tage 19 Gebote erhalten. Vor allem Käufer aus Metropolen wie New York, Los Angeles und den nordwestlichen Großstädten würden Verträge abschließen wollen, ohne das Objekt zuvor persönlich besichtigt zu haben. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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