Vergebliches Werben um Gernbauer

von Redaktion

Rückschlag bei der Suche nach einer BR-Intendantin – Schausten, Reitz und Weber im Rennen

München – Markus Söder wirft lange Schatten. In seinem Gefolge gibt es ein paar Minister, die sich strecken, um daraus hervorzutreten. Dann gibt es da auch diese Dame mit den hellen Haaren, immer Tasche oder Aktenbündel unterm Arm, die sich im Hintergrund hält. Zu sagen hat sie dabei mehr als der Rest des Gefolges: Staatsrätin Karolina Gernbauer, als Amtschefin der Staatskanzlei Bayerns oberste Beamtin, koordiniert seit über einem Jahrzehnt die Arbeit der Staatsregierung.

„Staatsrätin“ ist ihr Titel, der 2015 eigens für sie erfunden wurde, Besoldungsstufe B10. Höher geht’s nicht. Oder doch? In der CSU wird die 57-jährige Beamtin für eine sehr ungewöhnliche Beförderung gehandelt. Mehrere Rundfunkräte fühlen nach Informationen unserer Zeitung vor, ob Gernbauer als künftige Intendantin des Bayerischen Rundfunks mehrheitsfähig wäre.

Der Posten wird frei, weil Ulrich Wilhelm nach bald zehn Jahren seinen Rückzug angekündigt hat. In den männerlastigen Verwaltungen im Freistaat wird nun explizit nach einer Frau gesucht, um den Sender mit rund 3500 festangestellten Mitarbeitern zu führen, auch ein Frauennetzwerk im BR macht sich, wie berichtet, vehement dafür stark.

Gernbauer würde die formalen Kriterien wohl erfüllen: In München und Berlin Politik-erprobt (die Kanzlerin spricht in hohen Tönen von ihr), aber selbst keine Parteipolitikerin, bayerische Wurzeln, freundlich und souverän im Umgang, bei Bedarf aber eisenhart. Wäre da nur nicht ein kleines Problem: Sie will nicht.

Die Beamtin habe klar abgesagt, ist zu erfahren, sie wolle nicht wechseln. Auch die – grob geschätzt – Verdreifachung des Gehalts auf gut 400 000 Euro plus Dienstwagen und großem Stab lockte sie wohl nicht. Sie sagte ja (aus privaten Gründen) auch 2018 für einen samten gepolsterten Staatssekretärsstuhl im Berliner Bundesinnenministerium ab. Söder, der Gernbauer von Vorgänger Horst Seehofer als enge Ratgeberin nahtlos übernommen hatte, hätte sie ziehen lassen – aber nicht gern. Gerade in der Corona-Krise habe sich die Beamtin wieder als zentrale Stütze der Regierung erwiesen, heißt es, er sei „froh und dankbar“, dass sie bleibe.

Was damit auch bleibt, ist das Problem beim BR. Bis spätestens Mitte September müssen die Rundfunkräte eine Bewerberin oder einen Bewerber finden, die oder der die Chance auf eine Mehrheit hat, im Oktober wird ja schon gewählt. Titel und Entlohnung sind zwar prächtig, die Aufgabe ist aber undankbar. Hausintern muss der Sparkurs womöglich verschärft werden, die Stimmung ist eh schon schlecht. Auch das Verhältnis zwischen dem BR und den anderen ARD-Anstalten galt zuletzt als belastet. Mit der Politik laufen zähe Verhandlungen über die Gebührenerhöhung, Sachsen-Anhalt stellt sich bisher quer. Und nicht zuletzt steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Teilen der Gesellschaft unter Rechtfertigungsdruck.

Wer bei den 50 Rundfunkräten und ihren Zuträgern anfragt, hört viele Namen. Als denkbar gelten Kandidaturen von ZDF-Promi Bettina Schausten sowie von Bettina Reitz, seit 2015 Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Auch Valerie Weber wird genannt, die langjährige Chefin von Antenne Bayern.

Wunschkandidat des scheidenden Chefs wäre, so wird kolportiert, Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel. Einziger Makel: Er ist ein Mann.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER/ RUDOLF OGIERMANN

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