Frauen verdienen sechs Euro pro Stunde weniger

von Redaktion

Landtags-SPD kritisiert großes Lohngefälle und fordert bayerischen Mindestlohn von 13 Euro

München – Frauen in Bayern verdienen im Schnitt über sechs Euro weniger pro Stunde als Männer. Das ist das Ergebnis einer SPD-Anfrage an das Arbeitsministerium in München. Demnach kamen Frauen im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im ersten Quartal 2020 auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 21,98 Euro in Teilzeit und 23,04 Euro in Vollzeit. Bayerns Männer verdienten im Schnitt 28,22 beziehungsweise 28,49 Euro pro Stunde.

Gravierend ist auch die generelle Ungleichheit der Löhne im Freistaat: Rund 839 000 Bayern (13,4 Prozent aller Beschäftigten) erhalten weniger als die Hälfte des Durchschnittslohns (Zahlen von 2014, aktuellere gibt es noch nicht). Zudem verdienten im Jahr 2018 rund 156 000 Bayern nicht mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.

Angesichts der drohenden sozialen Folgen der Corona-Krise fordert SPD-Fraktionschef Horst Arnold einen eigenen bayerischen Mindestlohn, der deutlich über dem des Bundes liegt (aktuell 9,35 Euro brutto pro Stunde). „Die Corona-Pandemie trifft keineswegs alle gleich – sie trifft die sozial Schwachen besonders hart“, so Arnold gegenüber unserer Zeitung. „Wir müssen deshalb noch stärker dafür Sorge tragen, dass sie nicht abgehängt werden! Ein Baustein hierfür ist ein eigener bayerischer Mindestlohn, der den höheren Lebenshaltungskosten der Menschen im Freistaat gerecht wird.“

Arnold schlägt vor, dass sich der bayerische Mindestlohn am Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes der Länder orientieren solle. Entsprechend der Entgeltgruppe 1, Stufe 6 für Ungelernte würde man somit aktuell auf ein Bruttoentgelt von 12,78 Euro pro Stunde kommen. Dieser Mindestlohn soll Arnold zufolge für alle Unternehmen und Betriebe gelten, die öffentliche Aufträge oder Gelder bekommen.

Zu Beginn der Legislaturperiode hatte die SPD-Fraktion einen Gesetzesvorstoß in diese Richtung unternommen. Solch ein erhöhter Mindestlohn könnte auch helfen, die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen zu schließen: „Frauen würden von einem höheren Mindestlohn besonders profitieren“, sagt Arnold. Viele arbeiteten in systemrelevanten Berufen, was oft ein Synonym für „prekär beschäftigt“ sei. „Dies gilt es zu ändern.“ KLAUS RIMPEL

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