So leben wir mit Corona

von Redaktion

VON KLAUS RIMPEL UND SEBASTIAN HORSCH

München – Die Diskussionen um Masken und Reisebeschränkungen werden immer lauter. Doch die Mehrheit der Deutschen (65 Prozent) hält die von der Politik beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie für richtig. Das ist das Ergebnis der bislang größten Studie zu Corona in Deutschland, die das ifo-Institut und Forsa durchgeführt hat und die unserer Zeitung vorliegt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Studie in Auftrag gegeben hat, sieht darin eine Bestätigung seines Kurses: „Die teils offensive Rücksichts- und Sorglosigkeit einiger weniger verärgert verständlicherweise viele Bürgerinnen und Bürger“, sagt Spahn. Doch die Studie zeige: „Die große Mehrheit unterstützt die Maßnahmen im Kampf gegen Corona.“

Corona-Maßnahmen

Ein Viertel der 18- bis 34-Jährigen findet, die Corona-Maßnahmen hätten strenger sein sollen. Bei den 35- bis 49-Jährigen sowie bei den über 70-Jährigen sehen das nur 14 Prozent so. Dass die Maßnahmen zu streng gewesen seien, meinen überdurchschnittlich häufig die ostdeutschen Männer sowie AfD-Anhänger. Landbewohner (Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern) finden häufiger als Bewohner der Metropolen (Städte mit mehr als 100 000 Einwohner), die Maßnahmen seien überzogen gewesen. Ostdeutsche bewerten die Maßnahmen kritischer als Westdeutsche: So sehen 25 Prozent der Sachsen, aber nur 13 Prozent der Nordrhein-Westfalen und 18 Prozent der Bayern die Corona-Regeln als zu streng an.

Wirtschaftliche Folgen

Von Einkommenseinbußen sind am härtesten die Selbstständigen (74 Prozent) und die unteren sozialen Schichten betroffen – so die Arbeiter mit 44 Prozent. Auch unter den Angestellten sind geringfügig Beschäftigte am häufigsten (27 Prozent) betroffen. Am wenigsten leiden Beamte und Nicht-Erwerbstätige (jeweils 5 Prozent) unter Einkommenseinbußen. Bei den Erwerbstätigen insgesamt klagten 35 Prozent über geringeres Gehalt dank Corona. 44 Prozent derer, die angegeben haben, dass ihr Haushaltseinkommen seit Februar gesunken sei, sehen sich gezwungen, größere Ausgaben aufzuschieben. Rund ein Viertel der Bürger mit Einkommenseinbußen musste auf Erspartes bzw. Vermögen zurückgreifen, um die Einbußen zu kompensieren. Neun Prozent mussten sich Geld von Freunden oder Verwandten leihen, sieben Prozent nahmen einen Kredit auf, fünf Prozent konnten ihre Miete nicht oder nicht in voller Höhe zahlen. Bei den Personen mit geringem Haushaltseinkommen waren es sogar 23 Prozent, die sich Geld von Freunden oder Verwandten leihen mussten und 10 Prozent, die Mietzahlungen schuldig blieben.

Gefühlte Belastung

Die subjektiv empfundene soziale Belastung durch die Corona-Maßnahmen hängt auch stark von der politischen Orientierung ab: So fühlen sich AfD-Anhänger in allen Altersgruppen deutlich stärker negativ betroffen als die Anhänger von Union, SPD oder Grünen – und das, obwohl die tatsächlichen negativen ökonomischen Folgen für die AfD-Anhänger nicht größer sind.

Zweite Welle

Über die Hälfte der Bundesbürger (58 Prozent) hatte im Juni etwas oder sehr große (8 Prozent) Angst, sich selbst zu infizieren, 33 Prozent hatten keine Angst. Dass es in Deutschland zu einer zweiten Infektionswelle kommt, hielten im Juni, als die Befragung bei über 30 000 Bürgern durchgeführt wurde, 40 Prozent für wahrscheinlich, 21 Prozent für unwahrscheinlich. Während die Älteren häufiger Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus haben, halten eine zweite Infektionswelle in Deutschland eher die Jüngeren unter 34 für wahrscheinlich (45 Prozent gegenüber 30 Prozent bei den über 70-Jährigen).

Einschränkungen

Die Ausgangsbeschränkungen empfand die Mehrheit (60 Prozent) als wenig oder gar nicht belastend. 31 Prozent empfanden sie als etwas, 9 Prozent als sehr belastend. Geringverdiener litten mehr unter den Einschränkungen (45 Prozent) als Bürger mit höheren Einkommen, von denen nur 36 Prozent die Ausgangsbeschränkungen als etwas oder sehr belastend empfanden. Die Mehrheit der Bundesbürger (53 Prozent) hatte keine Schwierigkeiten, die geltenden Abstandsregeln und die Kontakt-Beschränkungen zu befolgen. Für 17 Prozent war das sehr, für 30 Prozent etwas schwierig. Am meisten hatten die 18- bis 24-Jährigen (37 Prozent) unter den Kontaktverboten zu leiden.

Beziehungen

Die Qualität der Beziehungen zur Familie hat sich bei der großen Mehrheit der Deutschen nicht verändert. Der Anteil derer, bei denen sich die Qualität verbessert bzw. verschlechtert hat, hält sich mit 15 bzw. 14 Prozent die Waage. Schwieriger war es mit Freundschaften: 32 Prozent gaben an, dass sich die Qualität dabei verschlechtert habe. Bei einer Mehrheit (54 Prozent) fielen im Juni wichtige Ereignisse – wie Hochzeit, Reisen, Abschlussfeiern – aus. Als belastend empfanden das 18 Prozent.

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