Bayern denkt über Maskenpflicht im Unterricht nach

von Redaktion

Kabinett tagt heute per Video und berät über das geplante Stufenkonzept – Verbände uneins

München – In Bayern wird neu über eine Maskenpflicht im Unterricht nachgedacht. In einer außerplanmäßigen Video-Kabinettssitzung heute dürften die Masken eine Rolle spielen, heißt es in der Staatsregierung. Offiziell berät der Ministerrat, wie es nach den Ferien an den Schulen weitergeht. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte zuletzt einen Vier-Stufen-Plan vorgelegt, nach dem bis zum Platz im Klassenzimmer eine Maskenpflicht gelten soll, auch in Grundschulen. Nur bei höheren Zahlen soll eine Maskenpflicht im Unterricht gelten.

Zuletzt hatte allerdings Nordrhein-Westfalen entschieden, dass an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden muss. Das hat nun auch die Debatte darüber in Bayern weiter befeuert.

Piazolo sagte unserer Zeitung am Sonntag, offiziell stehe eine Maskenpflicht nicht auf der Tagesordnung. „Der Stufenplan ist sehr differenziert.“ Er schloss ein Nachjustieren in der Kabinettssitzung aber nicht aus.

Der bisherige Stufenplan richtet sich regional an der Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner aus. Unter 20 läuft der Regelbetrieb (Stufe 1). Ab 20 gilt die Maskenpflicht (Stufe 2). Ab 30 gilt zudem wieder der Mindestabstand von 1,50 Metern, dann müssten aus Platzgründen die meisten Klassen auf mehrere Zimmer aufgeteilt werden (Stufe 3). Ab 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner soll wieder Distanzunterricht von zu Hause aus einberufen werden. Für alle Stufen gilt, dass Schüler ihre Handys lautlos eingeschaltet in der Tasche haben dürfen, damit die Corona-App funktioniert.

Sollte sich Bayern für strengere Masken-Regeln entscheiden, stehen kontroverse Debatten an. Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter in Bayern sind sich uneins über eine generelle Pflicht. Der Lehrerverband BLLV, die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien und der Landesschülerrat äußern sich skeptisch bis ablehnend. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte, man werde die politischen Entscheidungen akzeptieren müssen. Persönlich sei ihre Bewertung eindeutig: „Unterricht mit Maske ist kein normaler Unterricht.“ Dies würde negative Folgen haben sowohl für den Kompetenzerwerb als auch im sozialen und emotionalen Bereich. Man müsse deshalb bei steigenden Infektionszahlen abwägen, was besser sei: Präsenzunterricht für alle Kinder gleichzeitig mit Maske – oder Unterricht wieder nur mit halben Klassen und mit Abstand, aber ohne Maske.

Der Philologenverband und die Direktorenvereinigung der Gymnasien dagegen erklärten, bei steigenden Zahlen wäre eine Maskenpflicht auch im Unterricht noch das kleinere Übel. Der Vorsitzende des Philologenverbands, Michael Schwägerl, erklärte: „Die letzten Monate haben gezeigt: Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen, und ihn zu erhalten muss das Ziel sein.“  cd/dpa

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