Minsk – In Weißrussland ist Amtsinhaber Alexander Lukaschenko laut Prognosen der staatlichen Wahlkommission der klare Sieger der Präsidentschaftswahl am Sonntag. Amtlichen Nachwahlbefragungen zufolge holte der 65-Jährige 79,7 Prozent der Stimmen. Swetlana Tichanowsakja kam demnach nur auf 6,8 Prozent. Eine Sprecherin der Herausforderin nannte diese Zahlen „fern jeder Realität“. Unabhängige Nachwahlbefragungen im Ausland sahen Tichanowskaja bei 71 Prozent.
Die Wahl fand unter dem Eindruck von Fälschungsvorwürfen und Polizeigewalt statt. Die Wahlbeteiligung war aber offenbar so hoch wie noch nie zuvor in der Ex-Sowjetrepublik, die Lukaschenko seit einem Vierteljahrhundert mit harter regiert. Vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Die politisch nur wenig erfahrene Oppositionskandidatin Tichanowskaja wurde bejubelt. Ihr waren im Vorfeld die besten Chancen unter den vier zugelassenen Oppositionskandidaten eingeräumt worden.
Viele der rund 6,8 Millionen Wahlberechtigten konnten wegen des großen Andrangs ihre Stimme nicht abgeben. Laut Wahlleitung hatten die Stimmzettel nicht gereicht. In sozialen Medien kursierten Videos von Manipulationen an Stimmzetteln und von Militärfahrzeugen an den Straßen zur Hauptstadt Minsk. Lukaschenko hatte mit dem Einsatz der Armee gedroht, sollte jemand versuchen, ihm die Macht zu entreißen. Am Wahltag gab es zahlreiche Festnahmen.
Die Opposition kündigte Proteste für die nächsten Tage an. Von ersten Demonstrationen und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurde schon am Sonntagabend berichtet. dpa/afp