München – Die Daten bereiten Sorge: Jeder 40. Urlauber, der über die A 3 in Ostbayern aus Südosteuropa einreiste, dürfte den Tests zufolge mit Corona infiziert sein. Bundesweit kamen laut Robert-Koch-Institut allein 1000 Infizierte aus dem Kosovo, 500 aus der Türkei und 260 aus Kroatien. Tendenz stark steigend. Von 107376 Corona-Tests an bayerischen Teststationen für Reiserückkehrer waren laut Landesamt für Gesundheit 1389 positiv. „Wenn wir nicht aufpassen, stehen wir in wenigen Wochen vor einer ganz schwierigen Situation“, warnt Markus Söder. Und solange flächendeckende Tests noch stark fehlerbehaftet sind, müssen an anderer Stelle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Längst haben viele Betriebe, aber auch Sozialeinrichtungen Standards eingeführt. „Mitarbeiter, die aus einem Risikogebiet kommen, dürfen nur wieder anfangen zu arbeiten, wenn sie ein negatives Testergebnis vorlegen“, sagt beispielsweise Siegfried Benker, Geschäftsführer der Münchenstift, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Landeshauptstadt, die Pflegeeinrichtungen betreibt. Dies sei aber schon seit Längerem die Regel. Die Angestellten blieben so lange zu Hause. „Wir haben viele Mitarbeiter aus Bosnien oder Serbien, die nach Hause gefahren sind“, berichtet Benker. Diese müssten sich eigentlich schon in ihrem Heimatland testen lassen – ansonsten in München. „Tatsächlich haben wir schon Mitarbeiter mit positivem Ergebnis, aber die waren dann natürlich nicht in den Häusern.“ Er hoffe, so sei es gelungen, die Häuser zu schützen. „Aber auch wir können natürlich nur so gut sein wie die Tests“, so Benker.
Ähnlich sieht es in der Wirtschaft aus. „Wir rufen Betriebe und ihre Mitarbeiter weiter dazu auf, umsichtig mit den Corona-Risiken umzugehen“, sagt Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags. „Es liegt im ureigenen Interesse der Unternehmen, ihrer Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter nachzukommen und Corona-Infektionen am Arbeitsplatz durch Urlaubsrückkehrer, insbesondere aus Risikogebieten, zu vermeiden.“ Sein Eindruck sei, dass die Unternehmen ihre Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden sehr ernst nehmen. Es gebe täglich Anfragen, in denen sich Unternehmen über die geltenden Vorschriften und Risikogebiete informieren.
„Die Regeln für Rückkehrer sind eindeutig“, erklärt Gößl: Bei Rückreise von Urlaubern aus einem Risikogebiet ist ein Corona-Test vorgeschrieben. Bis zum Erhalt eines negativen Testergebnisses muss der Arbeitnehmer in Quarantäne gehen und darf nicht am Arbeitsplatz erscheinen. „Falls möglich, ist die Arbeit von zu Hause aus natürlich gestattet“, sagt Gößl.
Zu den Risikogebieten gehören aktuell mit der Türkei, Serbien, Kosovo und Teilen Rumäniens und Spaniens beliebte Ferienländer, aber auch wichtige Heimatbesuchsländer vieler bayerischer Arbeitnehmer. Daher müssten alle wachsam sein, betont Gößl. „Ein zweiter flächendeckender Lockdown wegen stark steigender Infektionszahlen wäre der Knockout für unsere Wirtschaft und unseren sozialen Zusammenhalt. Dieses Horror-Szenario muss unter allen Umständen vermieden werden.“
Auch in den Schulen stellt sich die Frage, wie mit Urlaubsrückkehrern umgegangen werden soll. Das Bayerische Kultusministerium verweist in dieser Frage eher zurückhaltend auf die geltende Quarantäne-Verordnung. Sie gelte auch für Schüler, die mit ihren Eltern Ferien in Risikogebieten gemacht haben, erklärt ein Sprecher des Kultusministeriums. Kinder, die sich in Quarantäne befinden, dürfen folglich auch nicht in die Schule gehen. Außerdem dürfen Personen mit corona-typischen Symptomen die Schule nicht betreten. Derzeit werde ein Handlungsleitfaden erstellt.