Berlin – Gleich zwei Spitzenkräfte der Union wurden in dieser Woche gefragt, ob eine Einigung der Kandidaten für den CDU-Chefsessel vor dem Parteitag im Dezember noch möglich sei. Er müsse dann ja „Orakel“ spielen, drückte sich Generalsekretär Paul Ziemiak um eine Antwort. Und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet befand süffisant, er sei immer für eine Teamlösung gewesen. „Im Moment gibt es aber keinen Anlass zu glauben, dass sich das Team noch vergrößern könnte.“
Für Laschet ist klar: Er und Gesundheitsminister Jens Spahn bilden bisher ein Duo, der eine will Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden, der andere Parteivize. So soll es bleiben. Die übrigen Aspiranten, Ex-Fraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen, könnten dann als Kellner zum Koch stoßen. So offenbar Laschets Überlegung. Dass dies in nächster Zeit passieren wird, ist aber unwahrscheinlich. Merz trifft vor allem im Osten auf großen Zuspruch, auch liegt er in den Umfragen vorne. Röttgen ist angetreten, damit die Frage der Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer nicht im Hinterzimmer ausgekungelt wird. Seine Kandidatur gilt freilich als aussichtslos.
Allerdings wächst jetzt der Druck auf die Anwärter, möglichst doch noch eine einvernehmliche Lösung zu finden. Den Anfang machte kürzlich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. „Ich empfehle jedem, der sich zur Kandidatur berufen fühlt, noch einmal in sich zu gehen, ob ein parteiinterner Machtkampf und öffentliches Schaulaufen jetzt in die Zeit passen“, ließ er wissen. Günther ist nicht der einzige, der das so sieht. In der CDU-Führungsetage heißt es: „Es gibt einige Stimmen, die sagen, können die sich nicht einigen?“ Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Je länger das Kandidatenrennen sich hinzieht, desto größer wird die Unruhe in der Partei. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die SPD derzeit mit Geschlossenheit glänzt und mit Finanzminister Olaf Scholz ihren Kanzlerkandidaten präsentiert hat.
Die Umfragewerte sind zwar gut für die Union, aber das muss nicht so bleiben. Auch im Konrad-Adenauer-Haus weiß man, dass die Werte vor allem der Kanzlerin und ihrem Corona-Management zu verdanken sind. Schon wird geunkt, im Wahlkampf nächstes Jahr „werden einige geschockt sein, wenn sie nicht mehr Merkel auf den Wahlplakaten sehen.“ In der Corona-Krise habe sowieso niemand Verständnis dafür, wenn die CDU wochenlang „eine innerparteiliche Beschäftigung“ mit ihrem Personal biete.
Hinzu kommt, dass niemand weiß, ob wegen Corona der Wahlparteitag in Stuttgart im Dezember überhaupt stattfinden kann. Im Moment wird daran gebastelt, den Konvent kürzer zu gestalten. Mitte September sollen verschiedene Konzepte im Bundesvorstand beraten werden. Zudem wird es Ende Oktober neue Richtlinien der Behörden für Großveranstaltungen geben, auf die die Union dann bei ihren Planungen ebenfalls reagieren muss. Was, wenn das Treffen angesichts der Corona-Lage erneut ausfällt?
„Es wäre so, dass der Bundesvorstand weiter im Amt bleibt, das betrifft dann auch meine Person“, so die amtierende Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Dann würde alles aber noch einmal komplizierter werden – auch die K-Frage. HAGEN STRAUSS