Einem Virus kann man für vieles die Schuld geben. Zum Beispiel für das Ladensterben. Das ist auch naheliegend: Immerhin geht der Handelsverband davon aus, dass deutschlandweit rund 50 000 Geschäfte wegen der Corona-Krise schließen müssen. Doch es wäre zu bequem, das allein auf die Pandemie zu schieben: Dem Einzelhandel ging es schon davor schlecht.
Die hohen Ladenmieten haben seit Jahren viele kleine Geschäfte aus den Innenstädten vertrieben. Geblieben sind die immer gleichen Ketten. Dazu der Boom des Online-Handels, bei dem viele Läden nicht mithalten können. Die Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger: Einzelhändler können ihre gestundeten Mieten nicht zurückzahlen, Amazon geht als Gewinner aus der Krise. Die Innenstädte veröden.
Das sollte ein Weckruf sein. Städte dürfen ihren Läden nicht beim Sterben zuschauen. Das Leiden im Einzelhandel kann kein Impfstoff beenden – das können nur kreative Ideen. Für schönere Innenstädte. Oder für regionale Online-Marktplätze: So könnten sich kleine Läden gemeinsam gegen Online-Riesen behaupten. Möglich wäre auch, dass Vermieter am Umsatz beteiligt werden, damit sie am Geschäft interessiert sind. Jetzt ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Das kann übrigens jeder Einzelne, indem er in den Geschäften kauft, die ihm am Herzen liegen
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