Bamako/Berlin – Nach dem erzwungenen Rücktritt des Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta soll der westafrikanische Krisenstaat Mali nach dem Willen der Putschisten von einem Übergangskomitee regiert werden. „Ich will nicht, dass Blut vergossen wird, damit ich an der Macht bleiben kann“, sagte der seit 2013 amtierende, zuletzt zunehmend unbeliebte Präsident nach einer Meuterei im Staatsfernsehen. Die EU und die USA verurteilten den Militärputsch. Die Afrikanische Union setzte die Mitgliedschaft Malis aus bis zur „Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung“, wie es in einer Erklärung des AU-Friedens- und Sicherheitsrates.
Ungeachtet dessen verkündeten die aufständischen Militärs ein Übergangskomitee, das demnächst Wahlen abhalten wolle. Ob der Putsch Konsequenzen für die Bundeswehr in Mali haben würde, war zunächst unklar – laut Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geht es den Soldaten im Land aber gut. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der Putsch habe erst einmal keine Auswirkungen auf die Stationierung europäischer Soldaten in Mali.
Zu der Meuterei kam es in Kati, einer Garnisonsstadt etwa 15 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt. Zunächst herrschten große Spannungen und Unsicherheit in dem Land. Die US-Botschaft berichtete von Schüssen und Demonstrationen in Bamako. Dann wurden Keïta und andere Mitglieder seiner Regierung von den Putschisten festgenommen.
„Ich verspüre keinen Hass gegen irgendjemanden, meine Liebe zu meinem Land erlaubt es mir nicht“, sagte der 75-jährige Keïta – wegen Corona bekleidet mit einer Maske – in seiner Rücktrittserklärung. Er erklärte die Regierung und das Parlament für aufgelöst. Die aufständischen Militärs verkündeten daraufhin die Einsetzung des Nationalen Komitees für die Errettung des Volkes (CNSP), das innerhalb eines „angemessenen Zeitrahmens“ Wahlen organisieren wolle.
Kalla Ankourao, als Außenminister des Nachbarstaates Niger Mitglied im Vermittlerteam der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, sprach von einer herben Enttäuschung. „Zwei Monate lang haben wir versucht zu vermitteln und gehofft, dass das malische Volk sich an die Vorgaben der Ecowas, nämlich Demokratie und gute Regierungsführung, halten würde“, sagte er der Deutschen Welle. Der Putsch sei ein brutaler Stopp der Verhandlungen und komme zur Unzeit: „Wir standen so kurz vor der Lösung.“
Ein Sprecher der Putschisten, Ismael Wagué, der bisherige stellvertretende Leiter des Generalstabs der Luftwaffe, warf der Regierung vor, das Land in „Chaos, in die Anarchie und in die Unsicherheit“ gestürzt zu haben. Wagué verkündete die Schließung aller Grenzen und die Einstellung des internationalen Flugverkehrs.
Mehrere Terrorgruppen sind in Mali aktiv, einige von ihnen haben dem Islamischen Staat (IS) und dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Treue geschworen. Frankreich unterstützt den Kampf gegen diese Organisationen mit dem Militärkampfeinsatz „Barkhane“, für den rund 5100 Soldaten in der Sahelzone im Einsatz sind. Zudem unterstützt eine UN-Mission den Friedensprozess in Mali, nachdem der Norden des Landes im Jahr 2012 vorübergehend in die Hände von Rebellengruppen geraten war.
An den beiden internationalen Einsätzen in Mali ist die Bundeswehr beteiligt. Laut Verteidigungsministerium sind derzeit an der EU-Mission rund 75 deutsche Soldatinnen und Soldaten beteiligt und an der UN-Mission rund 900.