Corona-Test-Pannen

Söder mauert Huml ein

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Obwohl sie der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit gesagt hat, bleibt Melanie Huml vorerst als Gesundheitsministerin im Amt. Dass Markus Söder an ihr festhält, dürfte auch taktische Gründe haben. Vor allem aber stellt sich die Frage: Was hätte ihr Rücktritt gebracht?

Melanie Huml war viele Jahre lang eine Ministerin, die ruhig ihre Arbeit machte und sich für die Medien-Öffentlichkeit so wenig interessierte wie umgekehrt auch. Mit Corona änderte sich das schlagartig. Plötzlich stand sie im Rampenlicht, musste vor Kameras die Strategie der Staatsregierung gegen das Virus erklären. Ihr bisher vergleichsweise beschauliches Ministerium verwandelte sich in ein Krisenzentrum, in dem schnell und hart entschieden werden musste. Selbst ihr wohlgesonnene Akteure im Gesundheitswesen sahen eine damit teils überforderte Ministerin. Söder ist das nicht entgangen. Doch ihr Rauswurf hätte am Ende auch ein schlechtes Bild auf ihn selbst und sein Krisenmanagement geworfen. Dazu kommt, dass Huml in den vergangenen Monaten Erfahrungen im Umgang mit dem Virus gesammelt hat wie sonst nur wenige Politiker in Deutschland. Als Ärztin ist sie zudem in medizinischen Fragen qualifiziert. Ihr Chef hätte also erst einmal jemand Besseren finden müssen.

Der Ministerpräsident wählt einen anderen Weg. Statt Huml zu feuern, mauert er sie ein. Schon vor Monaten setzte er ihr einen Amtschef ins Haus, der bei wichtigen Dingen engen Kontakt in die Staatskanzlei hält. Nun soll Polizeipressesprecher und PR-Profi Marcus da Gloria Martins die Ministerin auch noch vor weiteren Kommunikations-Pannen bewahren. Auf ihn wartet viel Arbeit.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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