„Ein ewig Räthsel will ich bleiben mir und anderen“– dieses Versprechen hat Ludwig II. eingehalten. Bis heute schillert der Bayern-König wie kein zweiter Monarch nach allen Seiten. Manche sagen, er sei ein bisschen irre gewesen. Nichts ist falscher. Fest steht: Ludwig war krank, aber gewiss nicht geisteskrank. Sein zur Obsession gesteigerter Drang, sein Königtum in immer neuen Schlössern – noch größer, noch schöner, noch entlegener – zu verewigen, lässt sich nach heutigen Maßstäben mit Geltungssucht tiefenpsychologisch deuten. Hinzu kamen profane, aber schwere Gesundheitsprobleme: rasanter Zahnverfall, Übergewicht. Eine Hirnhautentzündung in der Kindheit führte zu lebenslangen Kopfschmerzen. An seiner nur heimlich ausgelebten Homosexualität verzweifelte der tiefgläubige Katholik.
Trotzdem: Die Wissenschaft ist sich heute einig, dass die Entmündigung des Herrschers, die dann zu seinem bis heute ungeklärten Tod im Starnberger See führte, ein schwerer Fehler war. Glühende Verehrer wie der CSU-Altstar Peter Gauweiler raunen sogar vom Staatsstreich: Ein Herrscher, dessen absolutistische Allüren eher ins 18., nicht aber ins „moderne“ 19. Jahrhundert passten, wurde in der Psychiatrie verräumt. Ein trauriges Kapitel.
Auf seine Weise war der König modern – er begeisterte sich für Technik – und unmodern zugleich, denn mit Demokratie und Aufbau eines effizienten Staates hatte er nichts am Hut. Aber in seinem Tatendrang, seiner Schaffenskraft überragte er seine Zeit himmelweit – zum Wohle Bayerns bis heute. Wir sollten dieser rätselhaften Lichtgestalt auf ewig dankbar sein.
Dirk.Walter@ovb.net