Was bleibt am Ende vom Krönungsparteitag der US-Demokraten für ihren Trump-Herausforderer Joe Biden? Erst einmal erneut die Erkenntnis, dass diese mehr auf Emotionen als Rationalität abzielenden Wohlfühl-Shows auch virtuell nicht mehr zeitgemäß sind. Die ermüdenden vier Tage von Milwaukee hätten sich in acht Stunden komprimieren lassen. Auch dann hätte man die hundertfach wiederholte Kernbotschaft vernommen: Joe Biden ist nicht Trump, also wählt ihn und eine optimistische Zukunft.
Keine Frage: Trump trug mit jeder Menge Fehlentscheidungen und Ignoranz dazu bei, dass in den USA bisher über 170 000 Menschen am Virus starben. Dazu kommen noch tief greifende moralische Mängel. Doch ihm alles Übel anzulasten, das die Weltmacht plagt, ist unseriös. Michelle Obama beklagte beispielsweise, dass Kinder von illegalen Einwanderern an der Grenze in Käfigen gehalten würden. Diese Praxis begann unter ihrem Ehemann. Nun beginnt für Biden, seit 50 Jahren ein fester Bestandteil des Washington-Establishments, die eigentliche Herkulesaufgabe: Dem Volk klarzumachen, dass er neben jeder Menge Kumpelhaftigkeit auch ein klares politisches Programm für die Zukunft hat.
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