„An Maskenpflicht in Schulen führt kein Weg vorbei“

von Redaktion

Landkreispräsident Bernreiter über die Situation in den Kommunen und Parallelen zur Flüchtlingskrise

München – Bis Ende des Monats soll jeder Landkreis in Bayern ein Testzentrum bekommen. Christian Bernreiter (CSU), als Landrat des Kreises Deggendorf in der Flüchtlingskrise bundesweit bekannt geworden, will seines am Donnerstag einweihen. Im Interview erklärt der Landkreistagspräsident, wo die Herausforderungen liegen.

Herr Bernreiter, Sie haben gesagt, die Lage erinnere Sie an 2015. Warum?

Die bundesweiten Diskussionen könnten von der tatsächlichen Realität an den bayerischen Grenzen nicht weiter weg sein. Auch 2015, als tausende Flüchtlinge kamen, hat man uns belächelt und uns erst einmal allein gelassen, bis man erkannt hat, dass es Herausforderungen gibt, die alle etwas angehen. Auch bei Corona waren wir an der Grenze zu Österreich als erste mit Problemen konfrontiert – schon im Winter mit Ischgl und jetzt mit den Reiserückkehrern vom Balkan.

Bei den Tests gab es massive Probleme . . .

Unser Ministerpräsident war in dieser Frage Vorreiter und Antreiber – erst bei freiwilligen, dann den verpflichtenden Tests oder bei der Ausweitung der Risikogebiete. Jetzt ist mal ein Fehler passiert. Das ist natürlich bedauerlich, aber ich darf daran erinnern: An anderen Grenzen, etwa zu Frankreich und Polen, wird überhaupt nicht getestet. Das kann nicht sein.

Worüber haben Sie sich am meisten geärgert.

Mancher Vorschlag löst bei uns an der praktischen Front nur Kopfschütteln aus. Wenn die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock Handwerker losschicken will, damit in jedem Klassenzimmer die Fenster geöffnet werden können. Dabei haben wir – aus Klimaschutzgründen – viele Schulen mit Niedrigenergiestandards oder sogar als Nullenergiehäuser gebaut. Hier wurden kontrollierte Lüftungen eingebaut, durch die der Austausch der Luft um bis zu einem Fünffachen höher ist als durch ein Öffnen der Fenster.

Das große Thema bleiben die Tests. Wie läuft es nun?

Am Anfang gab es Probleme wegen begrenzter Laborkapazitäten. Jetzt wollen sich viele testen lassen – und das ist auch gut so. Denn die Zahlen gehen klar nach oben. Wir haben leider auch schon wieder die ersten Fälle in Altenheimen.

Wünschen Sie sich eine bundesweit einheitliche Regelung?

Ja, das wäre sinnvoll. In den vergangenen Wochen gab es ja eher einen Überbietungswettbewerb bei den Lockerungen. Diese Zeit ist vorbei! Wir müssen jetzt alle demokratischen Kräfte bündeln und nicht so einen Vorwahlkampf führen. Ein zweiter Lockdown wäre fatal für unser Land, das müssen wir unbedingt verhindern.

Sind die Gesundheitsämter inzwischen in der Lage, besser mit den steigenden Zahlen umzugehen?

In der Krise haben alle Landratsämter hier massiv umgeschichtet. In meinem Landkreis hatten wir in der Spitze 60 Mitarbeiter im Gesundheitsamt, um die Nachverfolgung zu organisieren. Dazu kommen jetzt die zugesagten Stellen. Aber es hapert an Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst. Darauf haben wir immer hingewiesen.

Hätte man da besser vorbereitet sein müssen?

Hinterher weiß man es immer besser. Die Position des Hellsehers in unseren Stellenplänen ist leider nach wie vor nicht besetzt.

Die Landkreise sind für viele Schulen zuständig. Ist man bereit für den Start?

Wir sind vorbereitet, aber der Vollbetrieb wird eine Herausforderung aufgrund der räumlichen Situation. An der Maskenpflicht im Unterricht wird deshalb kein Weg vorbeiführen. MIKE SCHIER

Artikel 11 von 11