Chaos um Corona-Tests geht weiter

von Redaktion

VON G. THOLL, M. UHRICH UND K. BRAUN

München – Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat die 2000er-Marke überschritten. 2034 neue Corona-Fälle meldete das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen – das sind so viele, wie seit Ende April nicht mehr. Die Bundesregierung erklärt den Trend in den vergangenen Tagen immer wieder mit privaten Feiern, bei denen Corona-Regeln nicht eingehalten würden. Tatsächlich sind Privathaushalte und Altenheime laut einer neuen RKI-Studie die Orte der meisten Übertragungen.

Bei einem Ausbruch zu Hause gab es demnach im Schnitt 3,2 Infizierte. In Alten- und Pflegeheimen hätten sich durchschnittlich fast 19 Menschen angesteckt. Besonders hoch sei die Ansteckungsgefahr in Flüchtlingsheimen – im Schnitt wurden 21 Fälle pro Ausbruch erfasst.

Schulen spielen der RKI-Studie zufolge bislang keine Rolle bei den Infektionen. Das RKI ordnet ihnen nur 31 Ausbrüche und 150 Infektionen zu. Auch Restaurants, Hotels oder Büros sind bisher Nebenschauplätze. Ausbrüche in der Bahn ließen sich nur schwer ermitteln, da die Identität eines Kontaktes kaum nachvollziehbar sei.

„Neben einzelnen spektakulären und bundesweit bekannt gewordenen großen Ausbrüchen“, heißt es in dem RKI-Papier, kämen Ansteckungen vor allem im familiären und häuslichen Umfeld häufiger vor – allerdings gehe es dabei meist um wenige Fälle pro Ausbruch, die auch nicht unbedingt zu mehreren Folgefällen führen. Deutlich weniger Infektionen seien dagegen auf Situationen im Freien zurückzuführen, „wie fehlende Ausbrüche in Tierparks und Zoos beziehungsweise nur drei Fälle beim Picknick nahelegen“. Laut RKI war aber nicht bei allen registrierten Fällen klar, wo sich die Infizierten angesteckt haben. Man habe nur bei etwa 27 Prozent aller Corona-Infektionen in Deutschland den konkreten Ausbruchsort zuordnen können.

Mit den steigenden Zahlen gibt es auch mehr Pannen mit Corona-Tests – Stationen an Autobahnen und Flughäfen stoßen mittlerweile an ihre Grenzen. An der slowenischen Grenze steckten Urlaubsrückkehrer in der Nacht auf Sonntag mehr als zwölf Stunden im Stau fest – der Grund waren verschärfte Corona-Kontrollen in Österreich. Betroffen waren auch viele deutsche Urlauber auf der Rückreise von Kroatien – da das Land nun als Risikogebiet gilt, haben mehr Menschen als erwartet die Heimreise angetreten. Alle Durchreisenden, die in Kroatien waren, mussten ein Formular ausfüllen und sich registrieren. Am Sonntagmorgen kontrollierten die Behörden nur noch stichprobenartig, um die Situation zu entschärfen.

Chaotisch wurde es am Wochenende auch an der Autobahn 3 bei Passau. Die Teststation, die von der privaten Firma Eurofins betrieben wird, war in der Nacht auf Samstag für etwa eine Stunde geschlossen. Laut Bayerischem Gesundheitsministerium haben drei Mitarbeiter Symptome gezeigt. „Daher konnten die Betroffenen aus Sicherheitsgründen ihren Dienst nicht antreten.“ 40 ehrenamtliche Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sprangen daraufhin ein.

Insider sehen die Erklärung des Gesundheitsministeriums aber skeptisch: Es habe keinerlei Vorwarnung gegeben, die ganze Teststation sei plötzlich dicht gewesen – von Symptomen hätte man aber früher erfahren können. Manche vermuten einen Streik der Mitarbeiter.

Laut „Spiegel“ gibt es auch an Flughäfen Probleme mit dem Krisenmanagement: Einige Fluglinien versuchen demnach seit vielen Tagen herauszufinden, was sie mit den Selbstauskünften der Passagiere tun sollen. Die Formulare, die Reisende aus Risikogebieten im Flugzeug ausfüllen müssen, sollten eigentlich die Gesundheitsämter erhalten – allerdings hätten die Airlines die Behörden nicht erreicht.

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